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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 27

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 27 (sequence 35)
Language
German
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Eine Mischehe. 27 gend. Nachdem wir assentirt und eingestellt waren, verabredeten wir uns an einein bestimmten Tage in Nowiwes (Nendorf) zusammenzutreffen, dort zu übernachten und am andern Tage nach Prag zu marschiren. Ich nahm Abschied von meinen Verwandten; Rosarka begleitete mich bis Hracholsk. Daß sie in der Sonnenhitze mich noch weiter begleiten sollte, duldete ich nicht. Wir schieden unter dem Schwure, einander treu zu bleiben bis zum Tode, und hatten beide die Ueberzeugung, dass wir auch ohne Schwur nicht voneinander gelassen hätten. Sie steckte mir noch zum Andenken einen silbernen Ring an den Finger, dann trennten wir uns. „Rosarka hatte bis zum letzten Augenblick keine Thränc vergossen; sie wollte mir den Abschied nicht erschweren. „In Neudorf hatten wir eine lustige Nacht. Drei reiche Bauernsöhne aus Cittow und Kootomlat zahlten die Zeche; auch hatten sie gleichzeitig Musikanten mitgebracht, die auf dem Wege allsspielen mußten. „Mädchen waren in der neudorfer Schenke auch bald zur Hand, und es wurde getanzt lind getrunken bis zum Hellen Morgen. „Ich tanzte zwar nicht, aber ich trank mehr, als ich sonst zu trinken Pflegte, und das war schon nicht recht. Ich hätte'es mir sagen müssen, daß mein Liebchen zur selben Zeit für mich betete, und daß sie, nachdem sie nicht mehr zu fürchten hatte, mich weich zu machen, in Thränen zerfließen würde, während ich einen Krug nach dem andern leerte lind immer mehr und mehr die Herrschaft über meine Sinne verlor. „Plötzlich stand die schwarze Schmeilkowa vor mir. „Zn ein paar ausgelassenen lustigen Rekruten gewendet, die sie zudringlich verfolgten, rief sie: „Ich tanze mit keinem, wenn nicht mit dein da zuerst. Seinetwegen bin ich gekommen, lind Wollt ihr, daß ich mich mit euch umdrehe, so helft mir zuvor diesen kaujoevutZeb (Duckmäuser) auf die BeinBHringen. „Ehe ich mich's versah, wurde ich von den Burschen emporgehoben. Ich fühlte nur noch mit halben Bewußtsein, wie die Schmeilkowa mich umfaßte, und daß mir dabei zu Muthe wurde, als flösse glühendes Blei durch ineine Adern. „Was weiter geschah, weiß ich bis zur Stunde nicht. „Gegen Mittag hatten die Rekruten ihren Rausch so iveit ausgcschlafen, um den Marsch fortsetzen zu können. Mir war es wüst im Kopfe. Von der Erscheinung der Schmeilkowa hatte ich nur eine dunkle Ahnung, llnd das einzige Zeichen, daß etwas mit mir vorgegangen sein mußte, war der UmstantH daß Rosarka's silberner Ring von meinem Finger verschwunden war, und daß ich an dessen Statt einen andern voll schwarzem «stein fand. Auch dies gewahrte ich erst tags nachher, und dachte nicht anders, als daß die schwarze Schmeilkowa durch ihre Hererei diese Verwandlung hervorgerufen. „Im wilden Kriegsleben und im Ge tümmel der Schlachten vergaß ich die Schmeilkowa und den Streich, den sie mir gespielt. Der schwarze Ring galt mir dem silbernen gleich, weil ich, so oft ich ihn ansah, doch nur an Rosarka dachte, und ich dachte an sie ebenso in der unglücklichen Schlacht auf heimatlichem Boden wie in der glücklichen und siegreichen auf fremdem, die uns nach Paris geführt. „Zwölf Jahre war ich Soldat, dazwischen einmal in französischer Gefangenschaft und zuletzt noch in der hunderttügigen Regierung des Eroberers verwundet in einem französischen Nazareth. „Mit meinem Orden auf der Brust, meinem ehrenvollen Abschied und meiner kleinen Jnvalidenpension in der Tasche kehrte ich nach fast dreizehnjähriger Abwesenheit in meine Heimat zurück und fand ineine Rosarka — verheirathet, als das Weib eines Häuslers in Zidoviee. „Gleich nach meiner Abreise hatte nämlich die schwarze Schmeilkowa allenthalben erzählt, daß sie meine eigentliche Geliebte gewesen, daß ich mit der sanften Rosarka nur ein leichtfertiges

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