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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 26

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 26 (sequence 34)
Language
German
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26 Jllustr. Monatsh. für die ges. dahinlaufendcn Kalksteingebirges gelegen, gewährt nach der einen Seite einen anmuthigcn Blick in das friedliche Thalgebiet des Städtchens, auf der andern eine imposante Aussicht auf die wiesen- und baumreichen Elbufer und die üppigen, vom blauen Mittelgebirge eingeschlossenen Saatengefilde. Bewohnt wurde die Ruine, obgleich sie kaum mehr Schutz gegen Sturm und Wetter gewährte, noch vor wenigen Jahren von einer Frau, die im Gerüche stand, Hexerei zu treiben, den Kühen die Milch zu nehmen, ungeborenen Kindern oder vielmehr der Mutter derselben irgendeinen bösen Streich zu spielen, in Gestalt einer schwarzen Katze in die Küche und Vorrathskammer zu schleichen und die Victualien zu verderben. Diese und andere in dem Aberglauben des Volks wurzelnde Unthaten wurden ihr zur Last gelegt. Aber auch die Polizei, repräsentirt durch den gestrengen, wohlbeleibten Wachtmeister Voita, machte oftmals den beschwerlichen Gang nach der hochgelegenen Ruine der Schmeilkowa — so hieß die Alte —, um nach verborgenen Uebelthätern aller Art oder etwa nach abhanden gekommen Dingen zu suchen. Ob es dem gestrengen Herrn Voita gelungen ist, ders gesuchten Personen und Gegenstände habhaft zu werden, weiß ich nicht, daß aber die Schmeilkowa die erbittertste Feindin Mach's war, daß sie ihn unablässig verfolgte, daß er Tag und Nacht vor ihren Nachstellungen nicht sicher war, daß der greise Invalide, wenn er das engste Stadtgebiet verließ, eine Waffe mit sich nahm, weil er überall einen Angriff auf sein Leben fürchtete, das weiß ich aus seinem eigenen Munde. „Die Schmeilkowa", so erzählte mir Mach, „jetzt als das häßlichste und böseste Weib in der Umgegend bekannt, zählte einmal zu den schönsten und reizendsten. Sic konnte sich sogar mit der blonden Rosarka aus Zidovice messen, obgleich sie ebenso leidenschaftlich und wild wie diese saust und hingebend war. „Ich war damals ein junger Mensch von zwanzig Jahren und kümmerte mich Interessen des Judenthums. um die Schmeilkowa ebenso wenig als um irgendein Mädchen der Stadt, denn die Rosarka aus Zidovice, die mit mir zugleich auf dem Schlosse diente, besaß mein Herz, und ich hätte lieber ein Bein brechen und nie einen Tanzboden betreten mögen, als mit einer andern als meiner Rosarka im Czassak oder Redowa mich im Saale umzudrehen. „Damals schon ging die Rede, daß die Schmeilkowa von ihrer Mutter, die aus Lobositz stammte und die Tochter des dortigen Abdeckers war, allerlei böse Künste gelernt habe. Ob das wahr ist, weiß ich nicht; daß man ihr aber nicht fest in die brennendschwarzen Augen sehen kann, ohne daß cs einem dabei brühheiß über den Rücken lief, daß man zusammenzuckte, wenn man zufällig ihre Fingerspitzen berührte, und daß man die Besinnung .verlor, wenn man ihr so nahe kam, daß man die Wärme ihres Athems verspürte — das weiß ich. „Sie hatte es wol aus Neid über unser Glück, oder aus Wuth darüber, daß ich ihre Nähe mied wie das böse Gewissen, darauf abgesehen, uns zu entzweien. „All ihre Versuche aber blieben fruchtlos. Rosarka war ein gläubiges, frommes Geschöpf. An sie wagte das Böse sich gar nicht heran. Und ich, obgleich ich nicht zu oft in die Kirche und noch seltener zur Beichte ging, ich war ein gewitzigter Bursche und wußte, worauf die schwarze Schmeilkowa hinzielte. „Da rückte der Feind ins Land, und die Roth war groß. Der Franzose machte sich in Wien breit, und mancher gute Pariser mußte thun, was der cvrsicanische Eroberer wollte. Bis dahin war ich, als im Dienste der hohen Herrschaft, vom Militärdienste frei. In der großen Roth des Landes nahm man keine Rücksicht darauf. „Auch wäre ich nicht im Schlosse verblieben, sondern würde aus freien Stücken davongelaufen sein, um mit den Soldaten zu gehen, wenn mich der Verwalter auch rächt gutwillig hätte ziehen lassen. „So wie ich dachten noch fünfzig und hundert andere Bursche aus der Ge-

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