Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 25 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine Mischehe. 25 titel „Sedlak" zu machen. Jetzt ist Zidovice eine reiche Dorfgemeinde. Weit und breit umher in den Dörfern gibt es keine so stattlichen Häuser, und im ganzen Ort ist kein Stroh - oder Schindeldach anzutreffen. Immer größere strecken von den umherliegenden Feldern, bis gegen Podlusk hin, wurden von Zidovicern nach und nach erstanden; der Boden, ehedem noch mit Kieselsteinen untermischt, wurde in ergiebigen Weizcngrund umgewandelt, und die zidoviecr Bauern, ehedem stark verschuldet uud gar oft mit den randnitzer Geldverleihern Brody und JilowSky in Wucherproeesse verwickelt, haben jetzt ganz schuldenfreie Besitzungen und können sich an Wohlhabenheit mit alleil auf der Herrschaft Ansässigen messen. Der Grund hiervon liegt allerdings theilweise in dem gesteigerten Handelsverkehr an der Elbe, denn Raudnitz ist seit einem Jahrzehnt der bedeutendste Stapelplatz in Böhmen für die Getreideausfuhr nach Dresden, Hainburg, ja selbst nach London geworden. Zum Theil aber verdanken die Zidovicer ihre Wohlhabenheit dem Umstand, daß nach dem Jahre 1848 ein randnitzer Jude sich zwischen ihnen ansässig machte, der ihnen in zweckmäßiger Cultur des Bodens und in der richtigen Berwerthung der Producte mit gutem Beispiel vvranging. Trotz alledem dürste das schnelle Aufblühen dieses Dörfchens allen jenen ein Räthsel bleiben, die nicht etwa iil unserer nachfolgenden Schilderung eine Lösung desselben suchen wollen. Die älteru Bewohner des Städtchens Raudnitz werden sich noch eines gewissen Alach erinnern, der, im obern Ende der Judengasse, im sogenannten Alten Spital wohnte lind mit jedem wiederkehrenden Frühling die verschiedenen, bei den Häusern gelegenen Gärten der raudnitzer Bürger init Blumensamen und Zwiebeln versah. Ties Geschäft betrieb der alte Mach mehr aus Liebhaberei. Er wies zwar eine dargebotene Bezahlung nie zurück, forderte aber auch nie eine solche, und begnügte sich damit, von Zeit zu Zeit nachzusehen, ob seine Flora gedeihe. Er lebte sehr einsam und zurückgezogen, verkehrte mit niemand als denen , die ihn in irgendeiner Angelegenheit aufsuchten, und obgleich er armselig eingerichtet war und von der Gemeinde eine freie Wohnung erbeten und erhalten hatte, ging dock) das Gerede von ihm, daß er einen Schatz besitze, den er aus dem französischen Kriege mitgebracht und von Zeit zu Zeit, wo seine Jnvalidenpension nicht ausreichte, angreifen müsse, um die allernöthigsten Lebensbedürfnisse anzuschasfm. Mach bildete sich viel darauf ein, französisch zu sprechen, und er sprach es so gut, wie ein Mensch, der nie im Schreiben und Lesen Unterricht erhalten hatte, einer fremden Mundart Herr werden konnte. Er ertheilte auch gratis Unterricht. Nur war die raudnitzer Jugend damals noch nicht so weit in der Eultur vorgeschritten, um das Verlangen, eine fremde Sprache zu erlernen, überhaupt zu würdigen. Ich war sein einziger Schüler, und wahrscheinlich blieb icb auch der ein zige, der um das Verhältnis; des Invaliden zu Rosarka aus Zidoviee etwas wußte. Mach ist todt, Rosarka ist todt, die Mitwisser um ihr Verhältniß sind auch nicht mehr am Leben, und so kann ich auch nun die Geschichte Mach'S, die ich zufällig erfuhr, ohne Besorgnis; wiedererzähleu. In früherer Zeit, solange das herzogliche Stammschloß in Raudnitz die ständige Residenz des Fürsten von Lobkovitz war, ließ einer derselben in einen: Anflug souverän - romantischer Laune eine Art von befestigtem Lusthaus erbauen, dessen Zweck sich in ein räthselhaftes Dunkel hüllte. Es war, soweit man aus den Ueberresten des alten Baues schließen konnte, im Rococostil ausgeführt und schien, entsprechend der Geschmacksrichtung und der laren Moral damaliger Zeit, irgendeiner nobeln Passion zu dienen, wie sie nach französischen: Muster bei allen großen und kleinen Herren Mode geworden war. Das Häuschen, aus einem Felsenvorsprung des bröckeligen, stundenweit