Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 22 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2417805-2417806-2417807--031-2417867- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
22 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. und doch schön, ein Geheimniß Ihrer Kunst, das mir unerforschlich bleibt. Jetzt beten Sie aber auch für mich und sich, daß ich am Ziele meiner Tage durch keinen andern Richterspruch sterbe als durch den der Natur, damit cs Ihnen nicht wie dem armen Maler Spinarosa in Houwald's „Bild" ergehe. Entwischt' ich mich, wie er, der Gerechtigkeit, würde mich, wie ihn, das Bild ausliefern, und meine Freunde, die, wie ich mir schmeichle, der Schmerz närrisch machen würde, könnten sagen: --solch ein Bild Mit diesem Fleiß und dieser Schönheit! Zu malen-sei nur das Werk Der schändlichsten Verrätherei. Geschieht so etwas, dann mögen Ihnen diese Zeilen zur Rechtfertigung dienen." Dies geistreiche Compliment bekundet am besten Oppenheims Meisterschaft im Porträtiren. Auch mit Goethe kam Oppenheim schon 1826 in Verbindung, und ersehen wir ans einem Briefe, daß der große Dichter das Talent des Malers sehr wohlwollend anerkannte. „Sic erhalten", ..so schreibt ihm derselbe einmal aus Weimar, „hierbei die mitgethcilten Skizzen dankbar zurück. Ein glückliches Malertalent ist darin nicht zu verkennen, und ich gestehe gern, daß ich mich an den mannichsaltigen Gedanken und Compositionen erfreut habe." Als Oppenheim 1827 nach Weimar reiste, wurde er auch persönlich von Goethe freundlich ausgenommen und erntete für seine Skizzen Beifall. Er malte damals in Weimar das Porträt von Goethe's bekanntem Freunde, dem Kanzler von Müller, dem er auch (1828) seine Zeichnungen zu Goethe's Hermann und Dorothea widmete. Auch seine Darstellung von Goethe's Harfner und Mignon mag diesen weimarischen Erinnerungen sein Entstehen verdanken, eiir Bild, das sich jetzt im Museum zu Hannover befindet und durch einen schönen Kupferstich von Jouanin in Paris vervielfältigt worden ist. Daß nicht nur sein Talent, sondern auch seine Persönlichkeit den vorthcilhaftesten Eindruck inachte, geht aus einer Aeußerung seines damaligen Reisegefährten C. von Holtei hervor, der in seinen „Vierzig Jahren" den höchst angenehmen Eindruck schildert, welchen der Künstler auf ihn gemacht, der übrigens Weimar mit dem Professortitel, einer ihm vom Großherzoge ertheilten und wohlverdienten Allszeichnung, verließ. Wir folgen unserin Oppenheim wieder nach Frankfurt, ivo er 1.833 ein auch iil weitereil Kreisen bekanntes Genrebild auS dem jüdischen Familienleben schuf: Heimkehr eines jüdischen Freiwilligen aus dem Befreiungskriege, ein Gemälde, das im Juni 1837 auf der karlsruher Kunstausstellung ungetheilten Beifall fand. Der Gedanke dieses Bildes war eine der innersten Empfindungen des Künstlers: die Versöhnung und Durchdringung der beiden Elemente, welche den höherm Inhalt des jüdischen Lebens unserer Tage bilden, der gemüthlichen Anhänglichkeit all den überlieferteil Glauben und der Hingebung an die edelsten Bestrebungen der Gegenwart und des Vaterlandes. Kein sinnigeres Ehrengeschenk konnten daher die Israeliten Badens im Jahre 1835 dem nun verewigten Gabriel Rießer, dem ersten und größten Kämpfer für das Recht der deutschen Juden, widmen als ein solches, mit dem Geiste des zu Ehrendeu so harmonirendes Bild. Es stellt den aus dein Kriege heimgekehrten Sohn vor, der sich am Sahbat beeilt hat, noch rechtzeitig zum festtäglichen Mahle einzutreffen. Allein der Abend war vergangen, der Sohn kam noch nicht. Der Alte hatte schon einen Folianten vor sich aufgeschlagen, als der geliebte Sohn endlich erschienen war und nun, bereits zur Seite des erfreuten Vaters sitzend, von seinem Schicksal erzählt. Die Mutter hat dem Sohne noch etwas Essen aufbewahrt und trägt eben, nachdem dieser sich gestärkt, die Teller fort, im Gehen einhaltend, um deu Worteil des Sohnes zu lauschen. Seine Brust ziert das eiserne Kreuz, auf welches mit einem Gemisch voil Freude und Schell der Vater blickt, während die Schwester, wieder lebhaft, als wäre es der erste Empfang, voil dem Gefühle hingerissen.