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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 23

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 23 (sequence 31)
Language
German
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Moritz Oppenheim. 23 daß der geliebte Bruder zurückgekehrt ist, seiu Haupt schmeichelnd umfaßt. Auch die jüngeren Geschwister bezeugen ihre Freude; besonders drollig ist das Annähern des größeren Knaben an den dastehenden Säbel, welchen er nur schüchtern mit den Fingerspitzen zu berühren wagt. Das Bild ist in Idee, Zeichnung und Farbe gleich vortrefflich. „Mit der reinsten Freude", äußerte sich Rießer, „blicke ich auf das schölle Kunstwerk lind freue mich, es mein nennen zu dürfen durch Besitzthum wie durch manche Beziehung inniger Verwandtschaft mit seinem Geiste und dein Sinne, in welchem der Künstler es gebildet." Ein anderes, dem jüdischen Leben entnommenes Bild war sein Seder (Ostermahl), der als Beispiel dieser Hchtung seines Schaffens diesen Zeilen beigefügt ist. Kürzer erwähnen wir aus der folgenden Zeit die lebensgroßen Bildnisse der Kaiser Joseph II. und Otto IV., von denen Oppenheim ersteres im Aufträge des Baron Sal. von Rothschild, letzteres auf Bestellung der Loge Sokrates fertigte. Ebenso berühren wir nur beiläufig die schon obeil erwähnte Scene beim Einzuge des Reichsverwesers. Von seinen sonstigen zahlreichen Schöpfungen wollen wir, um die Reichhaltigkeit derselben darzuthun, nur noch bei einigen verweilen. Wir meinen zunächst ein Bild aus dem Jahre 1853, welches besonders durch deu Reiz der Beleuchtung sich einen Rainen gemacht hat und jetzt eine Zierde des Städel'scheu KunstinstituteS zu Frankfurt bildet; es stellt das Innere eines frankfurter Bildhauer-Ateliers dar, in welchem bei sinkendem Tage das Dienstmädchen einer Dame und ihrem Knaben das Basrelief einer Heiligen Familie, mit einer Lampe leuchtend, zeigt, während der Meister zu einer Thür im Grunde hereintritt. Dies Bild gehört, infolge der gewandten Technik, zu dem Besten, was der Künstler geschaffen. Ganz wunderniedlich ist eine kleine G eburtstags-Scene (1853), wo ein Mädchen sehr naiv einer jungen Dame, wol seiner Pathin, einen Stranß unter Hersagen einer erlernten Gratulation überreicht, dabei aber den Kopf nach dem Gange wendet, auf welchem eben ein Mädchen mit einem großen Kuchen erscheint. Die Aussicht auf den Leckerbissen scheint die Aufmerksamkeit der jungen Gratulantin sehr stark von ihrer Aufgabe abzulenken. Tritt hier das Kindlich-Naive in den Vordergrund, so ragt ein anderes kleines, in feinster, delicatester Weise ausgeführtes Bild: Die Lehrstunde, wieder durch die Anspruchslosigkeit und den Reiz hervor, den die einfache Schilderung eines alten jüdischen Gelehrten und seiner beiden aufmerksamen Schüler, eines Knaben und eines hübschen Mädchens, in uns erweckt. "Nettigkeit, Sauberkeit und Eleganz spricht sich hier überall, selbst in den kleinsten Details aus, und ist dies Bildchen deshalb von Kennern den besten Niederländern des 17. Jahrhunderts an die Seite gesetzt worden. Den Schluß unserer Betrachtung bilde ein kleines, aber höchst interessantes Gemälde: Das Gleichniß von den drei Ringen, dem auf der permanenten Ausstellung zu Frankfurt 1855 viel Beifall gezollt wurde. Der Maler hat Lessing's Schilderung zur Grundlage genommen, wenngleich er nicht das Christenthum, das Judenthum und den Islam zusammenstellte, sondern sich, was nur zu bedauern ist, aus Katholieismus, Protestantismus und Judenthum beschränkt bat, obgleich seine Begabung gewiß das Märchen nach Nathan's Schilderung ganz ausgezeichnet wiedergegeben haben würde. Ein Bischof, ein protestantischer Geistlicher und ein Rabbi, jeder mit seinein Ring, sind auf dem Bilde vereint, und zwar in einer für jede Confefsion höchst charakteristischen Weise. Ein Spruch über dem Bilde lautet: „Nur dem Himmel allein steht die Entscheidung zu." Die Wahl des Gegenstandes war eine zeitgemäße, die Ausführung eine tadellose, so daß das Bild allgemein Anklang fand. Doch wozu soll noch eine längere Aufzählung dienen? Ein Blick aus diese bisherige Lebensschilderung bestätigt, daß wir von einem.Künstler erzählten.

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