Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2417805-2417806-2417807--027-2417863- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
18 Jllustr. Monatsh. für die ges. den Israeliten zutheil werden ließ, einer vernünftigen Anschauung Platz gemacht haben, zu viele Beispiele hervorragender jüdischer Geister in Kunst und Wissenschaft kennen gelernt, als daß die Juden noch nöthig hätten, immer aufs neue auf die Zahl derselben hinzuweiseu. Heutzutage sprechen genug Namen, die zu den besten gehören, für die trotz der jahrhundertelangen Vernachlässigung unverringerte geistige Kraft und Elasticität, welche dem Judeilthume innewohut, für die Unverwüstlichkeit seines Lebens und Strebeus. Was sollen wir daher au einem jetzt glücklicherweise veralteten Standpunkte noch festhalten? Lieber nehmen wir es als selbstverständlich hin, daß ein deutscher Jude ebenso wie ein deutscher Katholik und Protestant bei natürlicher Begabung und gleichem Bildungsgänge ein gleich vorzüglicher „deutscher Künstler" werden kann. Haben wir doch an unserm Oppenheim das beste Beispiel, wie bei aller Pietät für die Religion und die Glaubensgenossen, welche dem Künstler stets verbleiben soll, doch die Kunst etwas so Edles, Menschliches ist, daß ein wahrer Träger derselben uns vor allem als solcher und erst in zweiter Linie als Angehöriger dieses oder jenes Glaubens cntgegentritt. Darum konnte auch die religiöse Kunst, solange sie zu viel Religion und zu wenig Kunst schilderte, nicht' wahrhaft schön genannt werden. Sie wurde es erst, als sie das starre confessionellc Gewand abstreiste und das Ebenmaß göttlicher Schönheit unverhüllt darbot, als sie die in Stein und Farben übersetzte Religion mit dein Schimmer der Aesthetik umgoß. Die Wirkung des Kunstwerkes auf die Veredlung des Gemüths ist die beste „Tendenz" der Kunst. Unter den Malern unserer Zeit hat der jetzt 65 Jahre alte Meister Oppenheim in Frankfurt a. M. dieses Gemüthvolle, was ja in dem Familienleben seinen besten Ausdruck findet und wiederum im jüdischen Familienbunde so stark ausgeprägt ist, ganz vortrefflich wiederzugeben verstanden. Seine Bilder haben besonders in dem erwähnten Genre einen Reiz, der nur in .der Lebhaftig¬ Jnteressen des Judenthums. keit eigener Erinnerung und Anschauung, in dem tiefen Verstäudniß für das, wgs Häuslichkeit und Familie ist, seine Wurzeln haben kann. Wer mit diesem feinfühlenden Sinn eilte so vollendete Technik verbindet wie Oppenheim, den darf man mit Recht zu den Meistern zählen, und der verdient es sicher, daß man sein Leben und sein Wirken in einem der jüdischen Familie gewidmeten Blatte zum Gegenstände eitler kurzen Betrachtung macht. Ich sage einer kurzen Betrachtung, und fühle selbst, wie ungerecht und gewagt cs doch eigentlich ist, ein jahrzehntelanges Wirken mit so wenigen Zeilen besprechen zu wollen. Aber freilich, cs ist nicht jedem vergönnt, in einer Sammlung trefflicher Bilder mit der zur Würdigung jedes Kunstwerkes nöthigen Muße zu verweilen; oft ist es nur der Totaleindruck, den wir auf uns wirken lassen können. So wollen wir denn auch in diesem Falle ait der Hand eitles kundigeil Führers, der uns auf das Beste und Bedeutendste aufmerksam macht, dies kllilstgeweihte Leben durchwandern. Der Führer, der uns leitet, ist geistvoll und beredt, ja cs ist seine lebhafte Sprache nur das Flüstern eines Geistes und seine Gestalt nur das Bild etiles cdeln Schattens. Unser geisterhafter Führer ist der min verblichene Gabriel Rießer. Mit unvergänglichen schöllen Worten hat er den Künstler einst gefeiert und seiil Schaffen geschildert*); so ist es wol natürlich, daß nach einer solchen Darstellung wir uns nur bescheideil können, das Andenken an dieselbe aufzufrischen. Gegen Ende December 1799 ist Moritz Oppenheim als Sohn einer braven, frommen Familie zu Hanau in der Judengasse geboren. Der Vater, der sich und die Seinigeu durch einen kleinen Handel ernährte, brachte der Ausbildung seiner Kinder bedeutende Opfer, und ließ dem Knaben, der Anlage zum Zeichneil hatte, den Unterricht der Hanauer Zeicheuakademie zutheil werden. Hier studirte er *) Klein's Jahrbuch für Israeliten, S. 9. (Stuttgart 1854.)