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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 17

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 17 (sequence 25)
Language
German
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17 Süßkind von Trrmberg. Will Mantel und Hut erfassen Und will nach JudenarL Mir wieder wachsen lassen Den langen, grauen Bart. So wül ich still verbringen Den Nest, der mir beschert, Und denen nicht mehr singen. Die meiner Kunst nicht Werth. Der Laute letzter Hauch verklingt; Von seinem Spiel die Saite springt. Ihm ist's als sprang' ihm auch dadei Vor Weh das eigne Herz entzwei. Hinweg, du Laute lieb und gut; Dich decke nun des Stromes Flut! Ein Todesschauer mich umweht — Ich fühl's, daß es zu Ende geht. Nach dieses Daseins lieblichem Genuß Naht jene Stunde, da man scheiden muß. Die Stunde, der ich mich bereitet habe. Sie tritt an jeden, ob er arm, ob reich. Ob klug, ob thöricht — jeden trifft sie gleich Und führet ihn hinab zum stillen Grabe. Kein Nath, kein Spruch hält hier das Schicksal auf, Kein Zauber hemmet seinen ernsten Lauf, Es wird kein Engel das Verhängniß wenden! Ich kann nicht fröhlich sein; denn es durchbebt Die Frage mich, wohin die Seele schwebt. Wenn dieses Körpers letzte Seufzer enden. Er eilt nach Haus im Mondenschein; Die Seinen schliefen hungrig ein. Er tritt ans Fenster, blickt hinaus Nach jener ew'gen Sterne Lauf — Es tönt in mitternächt'ger Stunde Das Schwanenlied aus seinem Munde: Wenn ich bedenke, was ich war und bin Und was ich werden muß, und wie die Tage Verrinnen, stimm' ich an das Lied der Klage, Und alle Freude schwindet schnell dahin. Und ist's nicht jammervoll, auf diese Noth Des Lebens seufzend seinen Blick zu lenken, Und an dem letzten Abend zu bedenken. Daß dieser Mühen Endziel nur der Tod? Jetzt bist du kummervoll, o Seele mein. Und warst in Sünden doch so wohl zu Muthe.— Vertrau' dem Herrn! Er ist der ewig Gute; Mag er auch dir ein gnäd'ger Richter sein! Als früh sich hob das Morgenroth, Fand man den edeln Sänger — todt. — 'Nun schlummert er im Frankenland Zu Trimberg an der Saale Strand. HUberg's Jllustrirte Monatshefte, l, t. — April, 1^65. Moritz Oppenheim. Kein Kranz sinkt auf sein Grab hernieder, Dem Wand'rer kündet es kein Stein; Doch das Gedüchtniß seiner Lieder Wird ihn: das schönste Denkmal sein. . . ... Moritz GWnImm. Züge aus d e m V e b e u eines d e ntsch e n K ü ustlers. Vorr Nr. mocl. LivillS Fürst in Leipzig. Im Städtischen Museum zu Leipzig befindet sich ein kleines Oelhild, eine Scene im Fenster beim Einzüge des Reichsverwesers in Franksnrt a. M. darstellend. So bescheiden die Dimensionen dieses Bildchens sind, so fesselt dasselbe doch jeden, selbst flüchtigen Besucher der Galerie durch den wnnderherrlichen Reiz der Anmuth, welcher die in einem Fenster dicbt znsammengedrängten Kopse von jungen Mädchen, Kindern und jugendlichen Patrioten schmückt. Alles ist, nachdem vielleicht stundenlanges Erwarten vorherging, in freudigster Erregung und Begeisterung beim Einzüge des Erzherzogs Johann. Das Wehen mit den Tüchern, das freudige Lachen, das Hurrah-Rufen und die höchst beengte Situation, hei der jeder möglichst viel „sehen" möchte, ferner der Liehreiz der brünetten und blonden Gesichter macht einen äußerst angenehmen Eindruck, den man noch lange »ach dem Verlassen der Gemäldesammlung behält. Ter Schöpfer dieses wahrscheinlich im Jahre 1848 skizzirten, im Jahre 18ö2 aber allsgeführten Bildes ist ein Mann, auf den seine Glaubens - und Vaterlandsgenossen mit Fug und Recht stolz sein können. Es ist der in Frankfurt a. M. lebende Moritz Oppenheim. Die Zeiten sind vorüber, wo die Juden im berechtigten Selbstgefühle jeden aus ihrer Mitte hervorgegangenen Meister den christlichen Vaterlandsgenossen als eine aus jüdischem Boden gewachsene Pflanze vorzuführen liebten. Die Welt hat, seit der unerhörte Druck und die unverantwortliche Zurücksetzung, die man

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