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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 16

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 16 (sequence 24)
Language
German
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16 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. Es sprach mit traurigen Geberden Ein Wolf: „Was soll aus mir noch werden, Wenn ich in meines Hungers Noth Stets kämpfen muß mit Angst und Tod? Mich hat Natur bestimmt zum Rauben; Schuld ist es nicht, Ihr könnt es glauben. Vielleicht gewann' ich leichter mehr, Wenn ich voll Trug und Falschheit war'. Wollt' ich auf krummen Wegen schleichen, Ich würde Geld und Gut erreichen. — Pack' ich einmal ein Gänschen an, Der Hunger, wißt's, ist schuld daran. Kein rothes Gold Hab' ich zu geben. Verzeiht dies offne Räuberleben, Das schrecklich, aber besser ist Als Ränkeschmieden, Lug und List. Die Herren wollen's nicht verstehn. Und leer muß er von dannen gehn. Ihn kümmert nicht sein eigner Leib; Die Kinder darben und das Weib. Das schmerzt ihn, daß die Seinen klagen. — Wohlan! Und sollt' ich Spott ertragen, Ich muß sie lösen von der Qual Und will's versuchen noch einmal. Vielleicht wird durch mein traurig Singen Den Herrn die Noth zu Herzen dringen! Herr Heb auf und Herr Find enichts, Wo diese weilen, da gebricht's, Da fehlet stets das Beste. Sie kommen frank und frech heran;' Cs folgt Herr Noth von Darbian — O weh, welch schlimme Gäste! Die setzen sich um meinen Tisch; Die Kinder haben nicht Fleisch noch Fisch, Schlecht ist die Schnabelweide. Die Gäste aßen alles leer; Die Kinder sitzen und klagen sehr Vor Hunger und vor Leide. Da kommt ein Vierter noch gerannt, Herr Dünnehabe zubenannt. Der nimmt sich Kleider und Stühle. — Eh' mir das nackte Leben bleibt. Ist keiner, der die Gäste vertreibt Und fühlet, was ich fühle? — Umsonst! — Da wird er unmuthsvoll; Es packet ihn gerechter Groll. „Hab' ich denn nichts mehr zu verlieren, Sollt Ihr doch meine Zunge spüren!" — -- Wie gut ist's, daß gar mancher Mann Nicht alles, was er möchte, kann. So manchem gab die Noth Verstand, Der jetzt als Tugendheld bekannt. Der Heuchler dort! Es tönt sein Wort Von Mild' und Wohlthun fort und fort, Und dennoch wär' er, hätt' er Geld, Der ärgste Gauner in der Welt. Hätt' er ein schmuckes Hörnerpaar, Brächt' uns der Esel in Gefahr, Und ging es nach dem Krokodil, Die ganze Erde wär' ein Nil. Dem Dieb behagen Schlösser nicht, Der Gute nicht dem Bösewicht — Und manchem fehlt zur Schändlichkeit Nur Muth und die Gelegenheit. -OsD- „Was singst du, Jude?" hört man's schrein „Soll das auf uns gemünzet sein? Verwegner Sänger! Denke dran, Daß ich ein mächt'ger Edelmann!" — Doch Süßkind fürchtet Worte nicht; Verachtung füllt sein Herz. Er spricht: Wer Edles thut, den will ich edel nennen; Sein Herz ist mir der beste Adelsbrief. Doch jedes Adelskleid veracht' ich tief, Wenn drauf der Sünden Schandenmale brennen. Die Spreu verfliegt; die goldnen Körner bleiben. Hinweg drum mit dem eiteln Adelsstolz; Wer adlich denkt, der ist aus beßrem Holz, Und wird der Menschheit beßre Früchte treiben. Und wenn auch seine Väter Bauern wären, — Pocht unterm groben Wamms nur treues Blut, Und übt er alle Tugend recht und gut, Will ich als wahren Edelmann ihn ehren! Das Lied verklingt im hohen Saal. Da zieht der Burgherr blank den Stahl; Allein die Gäste wehren ihn: „Er ist ein Jude! Laß ihn ziehn; Er ist des Ritterzorns nicht Werth, Sein Blut bestecke nicht dein Schwert." — Und Sühkind ziehet fort im Thale. Nun wallt er einsam an der Saale, Sitzt trauernd an des Ufers Rand Und singt und spielt mit müder Hand: Was soll dies traurige Wandern Mit Sang und Saitenspiel Von einer Burg zur andern? Was ist mein Lohn, mein Ziel? Sie wissen, daß der Sänger Verhaßten Glaubens Sohn; Sie reichen ihn: nicht länger Den kargen Minnelohn. Verstummet denn, ihr Lieder, Vor jedem Edelhaus — Ich will als Jude wieder Ziehn in die Welt hinaus,

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