Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 15 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Süßkind von Tr imberg. 15 Flog' ich auf deinen Schwingen nicht. Was war' mein Sang und mein Gedicht, Und was der goldne Lohn der Minne? O trage mich des Geistes Bahn Hoch über Adlern himmelan! Und Beifall hob sich in der Rund' Und that sich laut dem Sänger kund. Der schlug den Blick zur Braut hinan Und spielte zarter und begann: Des Mannes Krön', es ist die reine Frau; Sie nennt er seinen Stolz und seine Ehre. Was war' mit aller Pracht des Hauses Bau, Wenn drinnen nicht das Weib die Seele wäre? An seines treuen Weibes Seite mag Der Mann sein Dasein selig froh verbringen; Ihr Licht erhellt ihm jeden trüben Tag — Ich will ihr Lob so lang ich lebe singen. Zum Danke neigte sich die Braut. Ihn lobten alle Frauen laut, Und für die Lieder bot zum Dank Der Burgherr ihm den Ehrentrank. Doch Süßkind's Blick schweift in die Runde; Ein neues Lied entströmt dem Munde: Ich weiß ein Tränklein wunderbar Und will's Euch künden auf ein Haar, Wie man's bereitet, daß es frommt Für jedes Uebel, das da kommt. Viel Zucht und Treu muß drinnen sein, Auch Kraft und Milde thut hinein. Und daß es wohl sich mischen kann, Thut etwas Mäßigung daran. Und habt den Trank Ihr recht vollbracht, Dann gebet auf das Glas Wohl Acht, Denn nur wenn dieses klar und rein. Kann, was darinnen, heilsam sein. Daß Ihr des Träntleins Namen wißt, Vernehmt, daß es die Ehre ist. Heil jedem, der nach Weiser Art Im reinen Herzen sie bewahrt! Noch manche Sänger sangen da, Die hergereist von fern und nah. Es wurde jedem reicher Lohn. Erst spät verklang der letzte Ton, Und jubelnd zogen sie von dannen, Frau Musika's getreue Mannen. Auch Süßkind kehrte bald nach Haus — Doch zog's ihn in die Welt hinaus; Er ging, nach Minnesänger Art/-. Mit Walther auf die Wanderfahrt, Nahm Abschied noch von Weib und Kind' Von seinem Haus und dem Gefind; Und zu dem Herrn und Vater geht Bevor er scheidet, sein Gebet: Allgütiger! Du leuchtest mit der Sonne, Du dunkelst mit der Nacht! Von dir kommt alles, Friede, Ruhe, Wonne; Du König aller Ehr' und Macht. Allgütiger! Des Tages goldner Schimmer, Des Sternenheeres Pracht, Sie Preisen dich, den Schöpfer, welcher nimmer Vergeht und über allen wacht! In Würzbürg weilten beide gern, Wo Henneberg's hochedle Herrn, Um ihres Hauses Ruhm zu mehren Die Künstler hielten hoch in Ehren. Hier sollte Walther's Ende sein. Hier ist sein Grab, auf dessen Stein Jetzt Vöglein speisen sonder Leide: Das ist Herrn Walther's Vogelweide. Süßkind zog weiter. Mancher bot Ihm Minnelohü und Wein und Brot. Doch mußt's der Sänger bald erfahren. Daß Edle oft nicht edel waren. Es trat die Noth an ihn heran; Denn mancher ließ den Längersmann Von dannen ziehn mit leeren Händen. Was sollt' er nun den Seinen senden? Jetzt läßt in goldgeschmückten Hallen Er unmuthsvoll sein Lied erschallen: Stroh sind die Armen; doch die Reichen Lind vollen Aehren zu vergleichen. Sagt selbst, wo käm' das Korn wol her. Wenn unter ihm der Halm nicht wär'? Wenn's hoch sich wiegt in stolzer Pracht, Der Halm hat's in die Höh' gebracht; Drum, ist er auch ein schlechtes Ding, Zum Freund ist er nicht zu gering. Wie leicht bedarfst du seiner sehr. Bedrück' ihn drob nicht allzu schwer; Denn wenn er fällt zur Schnitterszeit, Jst's aus mit deiner Herrlichkeit. Wirf nicht hinweg den schlichten Bast, Wenn Säcke du zu binden hast. Stets war der Esel gut genug. Daß er dem Herrn die Lasten trug. Schlimm ist's, wenn Kunst erst mit Verdruß Den Bissen Brot sich rauben muß. Das will sein Innerstes empören. „Wohlan Ihr Herrn! Ihr sollt es hören!"