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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 13

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 13 (sequence 21)
Language
German
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Henriette Hertz. Bedrängniß Deutschlands, zu außerordentlichen Mitteln seine Zuflucht. Hardenberg griff die Witwen- und Waisenkassen an. Henriette Hertz blieb ohne Eristenzmittel. In dieser für sie so drückenden Lage mußte der ehrenvolle Antrag, den ihr Delbrück, der Erzieher des Kronprinzen, stellte: die Erziehung der ältesten preußischen Königstochter, Charlotte, nachmaligen Kaiserin von Rußland, hoch willkommen sein. Sie lehnte ihn ab, weil er ihren Uebertritt zum Christenthum zur Bedingung machte. Die Liebe zur noch lebenden Mutter und vielleicht noch ein Rest von Anhänglichkeit an Glauben und Volk ihrer Väter ließen sie diesen, die Innigkeit ihres Gemüths so schön darthueudeu Entschluß fassen. Später bot man ihr die Erziehung der Nichten Murat's unter der Bedingung, ihren deutschen Namen abzulegen, an. Patriotismus ließ sie auch diesen Antrag ablehnen. Sie suchte und fand ihren Beruf an dem Krankenbett. In den preußischen Feldspitälern waltete sie'als milder Engel; Hunderte leidender Krieger haben ihrer barmherzigen und verständigen Pflege Leben und Gesundheit zu verdanken. Ihre Taufe fällt in diese Zeit; mit dem Tode ihrer Mutter zerriß das letzte Band, das sie mit dem Judenthum verknüpfte. Ihr besseres Gefühl sträubte sich noch im letzten Augenblick: sie wollte den Schritt nicht in Berlin thun, nicht vor der Gesellschaft, der sie lange in hervorragender Stellung angehört. Gegen den Wunsch Schleiermacher's, der den Taufact der Henriette Hertz mit besonderer Ostentatton vollzogen wissen wollte, ließ sie sich in dem märkischen Städtchen Zossen in ihrem 53. Lebensjahre vom dortigen Geistlichen in aller Stille in den Bund der protestantischen Kirche aufnehmen. In Berlin war einmal das Gerücht verbreitet, Schleiermacher hätte Henrietten während einer Krankheit magnetisch behandelt. Sei dem wie ihm wolle, auf ihren Geist muß er einen „magnetischen" Einfluß geübt haben, und vielleicht ist auch darauf jenes Gerücht zu reduciren. Sie wollte nun in die Fremde, um als Erzieherin zu wirken. Sie wandte sich deshalb an Wilhelm Humboldt, den damaligen Gesandten Preußens in Rom, mit der Bitte, ihr die Realisirung ihres Planes in Frankreich oder Rußland zu vermitteln. „Ich muß Sie Deutschland erhalten! Sollen wir, nachdem so viel verloren gegangen, auch noch die besten Menschen verlieren?" erwiderte er, und berief sie zu sich nach Rom. Dorothea Schlegel fand sich ebenfalls dort ein, bei dem Sohne ihres ersten verstoßenen Mannes, dem Maler Veit, eine Zufluchtsstätte suchend. Die Erschütterung, der Zerfall der politischen und socialen Zustände Deutschlands veranlaßte zu jener Zeit viele Deutsche, in Rom ihren Aufenthalt zu nehmen. Dort, im Centralpunkte des Katholicismus, wurden viele Protestanten diesem Bekenntnisse hold. Henriette Hertz blieb von diesen Einflüssen unberührt. Sie machte keinen Fall tiefer, und blieb mindestens dem dem Judenthum näherstehenden Protestantismus treu. Im Jahre 1817 begann sie ihre „Erinnerungen" zu Papier zu bringen. Dreißig Jahre später, 1847, 83 Jahre alt, starb sie, nachdem die preußische Königsfamilie kurz zuvor sie durch ein Zeichen der Gnade ausgezeichnet. Das war das Leben, das innere und äußere Leben einer Frau, die, wie wenige, hohe Schönheit des Körpers mit seltener Vollkommenheit der Seele und inniger Herzensgüte vereinte, die trotz aller Versuchungen in ihrem Leben und Wandel nie den Pfad strenger Tugend verließ. Ihr Leben trug den Stempel des harmonisch Schönen, der sittlichen Weihe; ihr ganzes Wesen war die holde Vereinigung von Anmuth, Geist und Tugend!

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