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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1865-04-01 · Heft 1 (April 1865) · p. Seite 12

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
I. Band (1865)
Issue
Heft 1 (April 1865)
Date
1865-04-01
Page
Seite 12 (sequence 20)
Language
German
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12 Jllustr. Monatsh. für die gef „kleinen" Schleiermacher im Strickbeutel trägt. Diese Caricatur bezog sich auf das körperliche Misverhältniß beider; in geistiger Beziehung war dieser Witz wenig zutreffend. Der große, lichte, klare Geist Henriettens war von dem kleinlichen, verschrobenen, mystischen des Verfassers der „Monologe" in unnatürlichster Weise gefesselt. Sie ging mit ihm täglich unter den Linden spazieren, war sein täglicher Gast, die bewunderndste Verehrerin seines Geistes. Dieser protestantische Proselytenmacher, an den sie sich mit unerklärlicher Sympathie anschloß, hat sie zu dem später von ihr bereuten Fehltritt verleitet: sie verließ das Judenthum, dessen Geist ihrer Seele die an ihr so bewunderte Schärfe, Klarheit und Unbefangenheit des Denkens lieh. Sie ward Protestantin. Wir haben Eingangs unsers Aufsatzes auf. die zu jener Zeit der „jüdischen Reformation" durch den unvermittelten Gegensatz der äußern Formen des Judenthums und der modernen Gesellschaft hervorgerufenen Uebertritte hingewiesen. Waren jene Uebertritte zu entschuldigen, zu verzeihen, so gab es aber auch eine Zahl Renegatinnen, die zur Rechtfertigung ihres Abfalls die von uns erwähnten Gründe nicht anführen können. Zu dieser Zahl gehören vornehmlich zwei Frauen jener Epoche: Dorothea Schlegel und Henriette Hertz. Dorothea, die ältere Tochter Mendelssohn's*), ward von ihrem Väter mit dem geist- und gemüthreichen David Veit in Frankfurt a. M. verheirathet. Als Frau dieses Mannes lernte sie im Hause der Henriette Hertz zuerst Friedrich Schlegel kennen, und faßte zu diesem eine geradezu verbrecherische Neigung. Henriette Hertz, die Vertraute dieses Verhältnisses, spricht von diesem Mann in wegwerfender Weise. Dorothea Veit konnte kaum den Tod ihres Vaters, des großen Regenerators des Judenthums, abwarten, um sodann mit der fieberhaften Eile wahnsinniger Schwärmerei das Ehebündniß mit dem wackern Veit s. Interessen des Judenthums. zu lösen und, den Glauben ihres, für denselben so begeisterten Vaters verlassend, sich mit Friedrich Schlegel zu vereinen. Dorothea Schlegel, geborene Mendelssohn, ward Katholikin. „Wir wüßten gern", sagt der von uns oft citirte F. Gustav Kühne, „ob sie sich wohlgefühlt in den katholischen Formen, oder ob, nachdem die erste Lust phantastischer Gefühlsschwelgerei gebüßt, ein zweiter ebenso natürlicher Rück- und Niederschlag in ihr erfolgte, der ihr die sittlich karge*), einfach stille Verstandesweise des altbiblischen Vaters vielleicht wie ein verlorenes Paradies keuscher und reiner Unschuld erscheinen ließ." Wir glauben dies mehr wie vermuthen zu dürfen. Vielleicht war es reuige Scham, die sie veranlaßte, ihren Briefwechsel mit Henriette Herz verbrennen zu lassen, um der spätern Welt nicht das beschämende Geständniß ihrer Schwäche zu hinterlassen. Henriette Hertz aber auch, die durch die , Harmonie ihres Gedanken- und Gemüthslebens Dorothea Schlegel weit überragt, ließ, wie diese von Schlegel, sich von Schleiermacher zu dem unseligen Schritte verleiten. Sie hat sich lange gesträubt, Seele und Herz widerstanden lange den Einflüsterungen des „Freundes", und nur sein beharrlicher, unermüdlicher, pietistischer Bekehrungseifer vermochte diese Frau, die nicht allein durch ihre Geburt, sondern auch intellectuell dem Judenthum angehörte, zu Falle zu bringen. Ihr Gatte starb 1804, und mit ihm verlor sie den einzigen Freund, der sie vor den Folgen Schleiermacher'scher Einflüsterungen bewahren konnte. Sie war jetzt ganz auf Schleiermacher hingewiesen. Nur ihre Mutter, die noch am Leben war, verhinderte ihren officiellen Abfall. Das liebevolle Herz Henriettens machte es ihr nicht möglich, ihre greise Mutter durch den Uebertritt zu kränken. Sie lebte von einem Witwengehalt, aber nur kurze Zeit. Der preußische Staat nahm damals, zur Zeit der *) Herr Kühne meint wol die sittlich einfache? *) Die zweite hieß Henriette.

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