Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 4 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Jllustr. MonaLsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Hast lang genug die Reichen, Biedern Zum Sklavendienst dir ausersehen; Ist lang genug, daß edle Federn Gestrüpp gleich werden angesehen. Ach, schafft mir weg die schlechten Wichte, Die, doch so hohl, sich trotzig blähen. Wenn nach Gerechtigkeit du richtest; Sie dürften nicht die Freuden mähen, Nicht, um die Thorheit zu erzeugen. Der Sonne Töchter sich erspähen. 4. Was hadert ihr, ihr Dorngewinde, Daß ich hinabsteig' in die Gründe Der Weisheit, ihre Schätze grabe Und ihre Herrlichkeit verkünde? Weil ihr's nicht schaut, darum verlangt ihr, Daß ich für ihren Glanz erblinde, Mein Bündniß, von Gott selbst geschlossen Mit ihr, gelöset werde, schwinde? Dich sollt' ich lassen, holde Mutter, Die so voll Huld sich neigt zum Kinde? Soll mir den Seelenschmuck entreißen. Von meinem Haupt die Ruhmesbinde? Wenn ihres Edens Ströme hinziehn, So mächtig, doch so klar, so linde: O süße Wollust, Herzenslabung, Die ich, am Ufer weilend, finde! Drum steig' empor, du ew'ge Seele, An ihrer Sonne dich entzünde, Und schwör' es laut und fest: Ich forsche, Ich forsche, bis ich Gott ergründe. So ringt Gabirol's Geist kühn titanisch noch in vielen herrlichen Gedichten, in denen sich seine wahre Gesinnung weit tiefer ausspricht als in den vielen religiösen, die sein Ringen nicht verleugnen, aber sich dennoch mehr an die hergebrachten Anschauungen anschließen. Eine eigenthümliche Kraft wohnt jedoch auch in diesen; von ihnen, die noch heute in unfern Gotteshäusern erklingen, mögen einige wenige aus der reichen Fülle zur Probe genügen: Des Morgens, auch des Abends Tret' ich vor dich, mein Hort, Mein Herz dir zu erschließen, Und sprech' Gebeteswort'. Da steh' ich zagend, bange; Ich weiß, dein Auge dringt In meiner Brust Geheimstes Noch eh' das Wort erklingt. Was ist auch des Gedankens, Was ist des Wortes Kraft, So mächtig er emporsteigt. So mühsam es auch schafft? Doch dir gefällt's, wenn dankend Des Menschen Lied dich Preist: So schall' es hell und fröhlich, So lang in mir dein Geist. Ein anderes: Drei Dinge sind vor meinen Augen fest gegründet, Von denen jedes deinen Namen mir verkündet: Dich schau' ich, wenn den hohen Himmel ich erblicke, Der um die Erde sich, dein treuer Zeuge, windet. Die Erde selber, meine Wohnstatt, weckt den Geist, Daß er in ihrem Bau den großen Meister findet. Und meine Seele preiset jubelnd meinen Gott, Wenn sie, sich selbst beschauend, dich in sich ergründet. Noch tiefer in das jüdische Leben eingehend, sich enger an die herkömmliche Weise anschließend, ertönt seine Muse in nicht minder lieblichen und starken Accorden: Weltenrichter, laß gefallen Unsrer Morgenandacht Lallen Dir, wie einst in deinen Hallen, Als der Priester noch versöhnte, Seine Fürbitt' noch ertönte Bei des Opferduftes Wallen. Dein Gewand ist Gnad', Erbarmen; Uns, den an Verdienst fo Armen, Wahre gütig das Vermächtniß, Frommer Ahnen treu Gedächtniß; Laß es laut vor dir erschallen, Wie bei Opferduftes Wallen. Neigst zur Huld, daß sie obsieget, Wenn die Schale schwankend wieget. Auf die Stirn der Liebe Mal Präg' mit deinem Gnadenstrahl Deines Volkes Söhnen allen. Wie bei Opferduftes Wallen. Denke Zions, die gepriesen! Laß den Lichtstrahl sich ergießen Ueber alle Menschengeister Durch der Gotteslehre Meister, Wie einst aus des Tempels Hallen Bei des Opferduftes Wallen. Nur in Gott ruht eure Stärke. Wenn ihr übet seine Werke, Wendet er des Zornes Dräuen Mild in liebendes Verzeihen, Läßt der Sühne Wort erschallen, Wie bei Opferduftes Wallen. Kein Wunder, wenn auch schneidend und düster das Wort gegen die Dränger in der Dichtung erschallt, gegen Christen (Edom) wie Moslems (Jsmael): 1. Der Feind ist Sieger, ich bin matt geworden, Zur Beute wilden, ungezähmten Horden, Wag's nicht zu künden meinen Schmerz in Worten, Ein zitternd Lamm, ein Bettler an den Pforten. Erbarmst du, Gott, dich nimmer deiner Schar, Wird nimmer mir das Ende offenbar?