Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- I. Band (1865)
- Issue
- Heft 1 (April 1865)
- Date
- 1865-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Salomo Gabirol. 3 Ich muß weilen bei argem Geschlecht, Was ich links nenn', nennen sie recht; ist öd' um mich wie im Grab; Mich dünket mein Haus ein Sarg. Ich sitz' da in der Rathsversammlung Und muß hören den sinnlosen Quark; Denn neben mir Thoren und Gecken Und dünken sich geistige Necken. Sie mischten mir gerne den Trank Mit Wermut, doch lächelt ihr Mund; Aus der Lippe süßliche Rede Und Haß in des Innern Grund; Und hör' ich sie sprechen, da mein' ich, Sie sprächen am End' gar lateinisch. Was soll mir's, dem klangreichen Dichter, Zu singen vor solchem Gelichter? Ist besser, daß ich sie zu Brei hack'. Denn meine Zung' ist mein Dreizack. Er lebte mit Samuel Ha-Levi in zeitweilig sehr freundschaftlichen Verhältnissen. Der vornehme Nagid sah den ausgezeichneten Mann wol gern in seiner Nähe; er erkannte und würdigte ihn; aber er war selbst Dichter und mochte doch auch die Eifersucht der Nebenbuhlerschaft empfinden. Gabirol besang wol hier und da den Samuel, aber auch schrille Mistöne vernehmen wir, die durch ihr Verhältniß hindurchziehen. Schon eilt kurzer Vers, der uns von Gabirol aufbewahrt geblieben, offenbart uns diese Spannung. Er lautet: Mir ist so kalt, mich hat ein solcher Frost durchschnitten. Als hörte ich ein Lied von Samuel, dem Leviten. Dieser scharfe Hohn klingt in andern Liedern nicht minder durch. Lebemenschen treten an ihn heran, er solle doch klug sein, leben wie die andern, gegen den Trübsinn die Freuden der Welt anwenden, im Genuß des Weins den Schmerz ersäufen; dagegen tritt er mit dein ganzen Liefern, edlern Schmerz aus, der solcher frivoler Heilmittel spottet: 1. „Klagst unter Thränen deine Pein, Schwemmst fast hinweg den harten Stein. Warum besingst du nicht die Reben, Warum nicht jubelst du dem Wein? Der jagt die Trauer keck und tüchtig, Daß sie davoneilt, feige, flüchtig." 2. Doch ich: „Er mag dem Armen lügen, In reicher Schätze Traum ihn wiegen; Er läßt, gleichwie auf Windesflügeln, Der Sorgen schwere Last verfliegen. Verhärtet selbst des Vaters Herz, Daß ihn nicht rührt des Kindes Schmerz. 3. Doch ist kein Meer der Kelch, kein See Deckt nicht mein breites, tiefes Weh. Das wächst so wild, wenn düs geschnitten. Der Nachwuchs dringt zu gleicher Höh'. Ach, Leib und Herz sind mir zerrissen. Das Aug' bedeckt von Finsternissen. 4. Das Morgenroth, so lieb, so hold, Entfaltet seiner Fahne Gold; Es steht der Morgensterne Schar Gleichwie Paniere aufgerollt. Es glänzt der Thau: — Mir steigt die Trauer; Mir ist so kalt vom Morgenschauer." Nur Eins gibt es, wodurch er seinen Schmerz überwältigen kann: das Eine, was seinen Schmerz erzeugt, das Forschen, das Ringen nach dem Ziele seiner Sehnsucht: Mit Kraft umgürtet, lass' ich nimmer ab, Bis ich zu End' geführt, was ich geschworen. Schmelzt auch die Zeit mich gleichwie Gold im Tiegel, Ich bleib' der Weisheit treu, die ich erkoren; Und sattelt mir die Zeit nicht ihren Renner, Ich wagte doch den Ritt, seit ich geboren. Und geb's nicht auf, und werd' es noch vollführen; Mein Herz ist stark, Hab' nicht den Muth verloren , Hab' oft schon hart mit dem Geschick gerungen; Ich Hab' nicht es, es hat nicht mich bezwungen. Die gleiche Entschiedenheit durchhaucht ein anderes .^ied: 1. Stürmst, meine Seele, und es schwanken Umher unruhig die Gedanken, Gleichwie, wenn sich die Flamm' erhebet, Rauchwolken hoch empor sich ranken. Bist wol ein Rad, die Evd' umkreisend. Ein Meer, in dem die Wogen zanken? Ein Meeresschlund, in dessen Strudel Der Erde Schwellen tief versanken? Du achtest nicht die Welt; sie weiß es Mit Mühsal reichlich dir zu danken. Verlaß der Weisheit Pfad, sie reicht dir Die Prachtgewänder dar, die blanken. 2. Das ist das Leid, das mich erfüllt; Wer bändigt mir den Schmerz so wild? Ich dürft' nach einem Mann des Geistes, — Umsonst! Mein Durst bleibt ungestillt. Ja, bietet mir die Welt nur Täuschung, Dann spei' ich an ihr trüg'risch Bild; Ich mag sie nicht, wenn für mein Licht ihr Das Aug' umdüstert ist, verhüllt. Und doch, wie wollte ich sie lieben. Zeigt' sie sich freundlich mir und mild! 3.!S ist nun des Frevels g'nug geschehen. Kannst, Welt, dein Rad nun einmal drehen, 1*