Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 5 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Von den Primatoren der Böhmischen Landesjudenschaft. Von Wolf und Joachim Popper handelnd, musste ich (in „Popper" S. 16 f.) auch von den älteren Primatoren handeln. Meine Ansetzung, dass dieses Amt etwa im Jahre 1627 kreiert wurde, ist bis jetzt nicht widerlegt worden. Von da bis zur Wirksamkeit des Abraham Aron Lichtenstadt, des ersten, den wir als Vertreter der böhm. Landesjudenschaft mit Namen kennen, vergingen etwa 50 Jahre, ohne dass uns die Träger dieses Amtes bekannt wären. Über Abraham Aron hat erst Tobias Jakobovits Licht verbreitet14). Seine Tätigkeit als erster Landesdelegierter dürfte er im Jahre 1673 begonnen haben, und rund 20 Jahre wirkte er treu und erfolgreich für die böhm. Landjudenschaft; da kam die unselige Verleumdung, die ihn nicht nur in einen langwierigen Prozess, sondern auch in schweren Kerker stürzte. Erst am 14. Dez. 1701 wurde er von Leopold I. „wieder in sein früheres Officium als Landprimas eingesetzt'Diese seine zweite Amtsperiode dauerte jedoch nur ein Jahr; er starb am 3. Dez. 1702. In seiner früheren Zeit hatte er seinen Sitz in Schlackenwerth, einem kleinen Städtchen, nicht anders als Wolf Popper in dem kleinen Bresnitz15). Erst über ihn hinweg lernen wir den Jakob Lichtenstadt kennen, den die Glückel von Hameln in ihren Memoiren „Landesvorsteher" (PI^IDn nennt, und sind vielleicht nur die im Auslande lebende Frau und der hebr. Ausdruck Schuld daran, dass uns nicht der richtige Name „Primas'' des Landes geboten wird. „Dieser Jakob L. ist kein anderer als der erste Landesdelegierte Jakob Aron aus Lichtenstadt, der als solcher am 12. Aprü 1663 einen kaiserl. Schutzbrief erhielt"16). 14) Jüd. Gemeindeleben in Kolin (.Jahrbuch" I, 1929, S. 336 u. 365); Wer ist Abraham Aron Lichtenstadt? (MGWJ 74. Bd. 1930, S. 35—41). Jenes auch SA, und ich verweise für Wolf und Joachim Popper auf S. 8, 18, 26, 36. In „Popper" S. 16 f. hielt ich mich an Quellen, die jetzt durch Jakobovits überholt sind. lö) Was Schlackenwert ist, s. bei J. MGWJ. a. O. Für später s. I. Ziegler, Dokumente zur Gesch. der Juden in Karlsbad (K. 1913) S. 36 f. Über Lichtenstadt s. meinen Artikel in „Selbstwehr" 18. Jahrgang (1924) Nr. 4 S. 2. übernommen in der Ztschr. f. Gesch. der Juden in der Tschechoslowakei II (1931) S. 147. 16) Bei Jakobovits a. O. TO