Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 5 (1938)
- Issue
- Heft 2
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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denn so oft hier des fürstl. Namens Erwähnung getan wird, ist ihm: jene Segensformel beigefügt, — und zwar ,,jorum haudau", d. h. Gott erhöhe seine Herrlichkeit — die sonst nur Staatsoberhäuptern gebührt. Das in Rede stehende Teplitzer Protokollbuch ist wie alle: aus dieser Zeit stammenden Gemeindebücher in hebräischer Sprache, vermengt mit jüdisch deutschen Worten abgefasst. Wir wollen daher das Hebräische dieser Eintragung möglichst wortgetreu übersetzen, die eingestreuten jüdisch-deutschen Wörter aber, dem deutschen Sprachgebrauch anpassend, wiedergeben: Dies schrieb ich zum Andenken ins Buch, damit auch die nach uns lebenden Geschlechter wissen, dass die vielgepriesene, adelige Fürstin Maria Josefa ihrem Gatten, unseren grossen Herrn und Fürsten Franz Wenzel, aus dem Geschlechte Clary u. Aidlingen3) — Gott erhöhe seine Herrlichkeit4) — am 10. Dezember 1752 um ha1!) eins Nachmittag in der Residenzstadt Wien in einer glücklichen Stunde einen Sohn gebar und wir Juden hier in Teplitz aus diesem Anlass Donnerstag Nacht den 8. Tebeth5) des Jahres 515 (15. Dez. 1752) aus Freude darüber einen glanzvollen Festabend veranstalteten. Die Judengasse wurde derartig reich illuminiert, dass man bei der Beleuchtung die Gravierung eines Siegelringes deutlich lesen konnte.6) Von der Gemeindekassa gab man jedem Mitgliede zu diesem Zweck für etliche Fenster vier Lichter und die Vornehmen 3) Die Übernahme der Teplitzer Herrschaft durch die Grafen Clary- Aldringen erfolgte bereits im J. 1634 und gelangte 1751 nach dem Tode des Grafen Franz Karl v. Clary in den Besitz seines Sohnes Franz Wenzel, dem die Kaiserin Maria Theresia den Fürstenrang verlieh vrgl. Buchwald. Aus der Gesch. d. Juden von Teplitz-SchÖnau in B. B. Monatsblätter, Jhrg. VII. No. 4 (April 1928) S. 165, wo auch Näheres über das Verhalten dieser Herrschaftsfamilie zu den Juden mitgeteilt wird; s. auch Wanie, Gesch. d. Juden in Teplitz (Kaaden 1925) S. 13 ff. 4) Diese Segensformel wird weiterhin weggelassen, da sie sonst störend wirken würde. 5) Der Tradition zufolge sollten zwar der 8. u. 9. Tebeth als Gedenku. Fasttage gehalten werden, wie sie auch als solche im Codex Orach Chajim (No. 580) verzeichnet sind; sie wurden jedoch von der Allgemeinheit wegen allzugrosser Beschwerlichkeit nicht angenommen (daselbst Beth Josef u. a.). 6) Entlehnt aus Trakt. Gittin (BL 57a), wo von den Bewohnern der reichbevölkerten Stadt Tur-Malka berichtet wird, dass sie aus Freude über den unerwarteten Abzug des Feindes aus der Stadt derart beleuchteten. 64