Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 4 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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fen und alsdann nach dem Hinscheiden des Landrabbiners als dessen Nachfolger im Amte einstimmig gewählt. Nach dem Abgänge des Rabbi Nahum von Prag entschloss sich mein seliger Onkel, Rabbi Anscbel, zu der Jeschiba de» Rabbi Low Glogau überzutreten und natürlich folgte ich ihm dahin. Im Jahre 1827 besuchte ich die Vorlesungen des als Orientalisten einen bedeutenden Ruf geniessenden Wolf Maier über das hebräische Sprachfach, dem ich mit vielem Fleisse oblag, so dass ich nach beendigtem Lehrkurse in dem mir erteilten Zeugnisse den Kalkül »erste Klasse mit ausserordentlichem Vorzuge« erhielt. Der Inspektor der Malerischen Lehranstalt, der selige H. Moses Landau, erteilte mir bei der Prüfung viele Lobsiprüche und schenkte mir, um die heiligen Bücher wiederholen zu können, eine kleine Bibel, Amsterdamer Ausgabe, mit sehr feinen, aber nicht punktierten Lettern. Von verschiedenen Seiten angeregt bat ich meinen in Gott ruhenden Vater, mich nunmehr ins Gymnasium eintreten zu lassen; er hätte es gerne getan, auch Rabbi Low hatte nichts dagegen, aber der nnumehrige Oberrabbiner S. Landau betrachtete ein solches Beginnen als Untreue gegen den Talmund, das er auf alle mögliehe Weise zu verhindern sich bestrebte. Zuerst suchte er meinen, ihm vollends vertrauenden Vater gegen diess Vorhaben zu stimmen, sodann Hess er auch mich zu sich kommen, gab mir ein talmudisches Thema auf, das ich nach gehöriger Vorbereitung unter seiner Aufsicht ihm samt Kommetatoren erörtern sollte. •Ich zeigte mich der Aufgabe vollkommen gewachsen, und der Rabbi sagte hierauf: »Du brauchst nicht zu studieren, schlag Dir das aus dem Sinn«, Du sollst ein tüchtiger Talmudist werden,« die Worte des Rabbi machten zwar momentan den erwünschten Eindruck, aber gegen die, durch den Zeitgeist herbeigeführte Stimmung verhallten sie bald spurlos, das augenblicklich Versäumte wurde später desto eifriger nachgeholt. Am Tage meines 13jährigen Geburtsfestes, der damals auf einen Sonntag fiel, veranstaltete mein gottsei. Vater ein grosses Gastmahl, wobei Rabbi Low als Vorsitzender präsidierte. Er erklärte mich nun für reif, meine talmudischen Studien ohne Beihilfe eines Korrepetitors für mich allein fortsetzen «zu können; ich wäre, sagte er, wohl schon voriges Jahr hierzu befähigt gewesen, indessen wollte er solches vor der Barmizwa keineswegs zugeben, nunmehr aber sei nichts dagegen einzuwenden. Nun, waren die Knabenjahre verflossen und ich würde den in der Ueberschrift dieses Aufsatzes genau bezeichneteten Plan überschreiten, wollte ich meine Rückerinnerung weiter fortsetzen; ich sehe mich daher veranlasst, hier abzubrechen, möglich jedoch, dass ich den abgerissenen Faden einmal wieder aufnehme, um meine ferneren, nicht ganz uninteressanten Erlebnisse vor meinem geistigen Auge Revue passieren zu lassen. 37