Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 4 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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es als heilige Pflicht betrachteten, der so hohen rabbinischen Autorität die tiefste Ehrfurcht zu beweisen. Der Rabbi reiste 'bald wieder alb, nachdem er da« Versprechen gegeben hatte, bei der Rückfahrt längere Zeit in Prag zu verweilen. Der Rabbi hielt Wort, er kehrte nach einigen Wochen von dem Kurgebrauche gestärkt zurück und es war bereits für ihn ein prachtvolles Logis bei Rabbi Mosche Fischl, einem der angesehensten Männer in Prag, in Bereitschaft gehalten. Jetzt war der Rabbi Mordechai in der Judengasse und es entstand nun die Etiquette berührende Frage hinsichtlich des Verhältnisses zum Prager Rab'binatskollegium, wer von beiden Teilen nämlich dem anderen die erste Visite abstatten solle? Das Rabbinatskollegium tat seinerseits insoweit den ersten Schritt, dass in dessen Namen an den Landrabbiner die ehrenvolle Aufforderung zu einer Derascha in der Altneusynagoge gerichtet wurde, die Aufforderung wurde zwar angenommen, aber die Lösung der Frage dadurch um kein Haar breit gefördert, eine persönliche Annäherung dadurch nicht erzielt. Endlich löste der Landrabbiner die Frage teilweise, aber auf eine für R. Eleasar," dem Oberhaupte des Rabbinatskollegiums, verletzende Art. Er entschloss sich nämlich blos R. Samuel zu besuchen und gab hierfür das Motiv an, es sei dessen Vater der Prager Raw. R. Jecheskel Landau, sein Rabbi, gewesen, dessen talmudische Vorlesungen er früher besucht habe. Er trat auch mit diesen Worten bei R. Samuel, der die Wohnung des Vaters innehatte ein. »Ich komme hierher, um noch einmal das Zimmer zu sehen, wo ich einstmals Unterricht genossen.« Trotzdem fühlte sich R. Eleasar dadurch sehr beleidigt und gab seiner Rancune gegen den Landrabbiner später in einem Kanzelvortrage auf eine sehr feine, im anständigsten Tone gehaltenen Weise, passenden Ausdruck. Je weniger nun der Landrabbiner mit dem Rabbinatskollegium verkehrte, desto intimer und vertrauter war sein Umgang mit R. Nahum. Er stand mit ihm schon früher im brieflichen Verkehr, nun schlössen sich die beiden grossen Geister einander aufs innigste an. Bei einer, zur Erheiterung gemachten Spazierfahrt musste R. Nahum ihn begeiten. Der letztere sorgte bei dieser Lustpartie auch für die solchen Männer geziemende Unterhaltung, es wurde nämlich seinerseits ein Talmudfoliant in den Fiaker mitgenommen. Bei einer späteren Anwesenheit des sei. Landrabbiners in Prag wurde auch ich der Ehre teilhaftig, ihm persönlich vorgestellt zu werden. Er äusserte nämlich gegen den genannten Vorsteher Pisling den Wunsch, etwaige in Prag befindliche, junge, dem Talmudstudium gewidmete, mit Talent begabte Sprösslinge kennen zu lernen. Alsogleich wurde mein Vater verständigt und meine geringe, Persönlichkeit dem hohen Herrn präsentiert. Ich küsste ihm natürlich die Hand, wurde mit einem freundlichen .Segensspruche empfangen und über einige schwierige Stellen im Traktate Chulin scharf ins Verhör genommen. Ich blieb die Antworten nicht schuldig, der Landrabbiner ermahnte mich nur, fleissig zu wiederholen und hierbei besonders auf die Excerpte des Asheri meine Aufmerksamkeit zu richten. Für R. Nahum war die Anwesenheit des Rabbi M. B. in Prag von grösster Bedeutung, sie legte den Grundstein zu seiner, nachmaligen grossen Karriere Durch seine Vermittlung wurde R. Nahum nach Prossnitz als Rabbiner beru-: 36