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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 35

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
4 (1934)
Issue
Heft 1
Date
1934-01-01
Page
Seite 35 (sequence 36)
Language
German
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Angelegenheiten Koudelka, dem Domscholastikus P. Pöllner und den als Fachmann de rn designierten Mitgliedern des Rabbinatskollegiums R. Eliasar und R. Samuel: Als Beisitzer fungierten sämtliche 3 Gemeindevorsteher. Die Prüfung wurde, bereits eben erzählt worden, mit einer Ansprache des Herr Seligmann Trebitsch eingeleitet, worauf das eigentliche Examen folgte. Die Schüler wur» den klassenweise nach alphabetischer Ordnung vorgerufen und ihnen von dea Jeschiba-Häuptern als eigentlichen Examinatoren die zu erläuternden Themata mündlich vorgelegt. Mitunter richtete auch R. Samuel mit seiner scharf schallenden Stimme eine Frage an die Examinanten, wohingegen R. Eliasar sich ganz schweigsam verhielt. Als an mich die Reihe kam ward mir die Aufgabe, die Stelle »Kawereth« — Sabbath 8 a — zu erklären. Ich übersetzte den Ausdruck »Kawereth« ganz richtig »einen Bienenstock«, aber der Rabbi korrigierte »Bienenkorb«, es war die letztere Bezeichnung dem Rabbi neuer, weshalb er sie auch für besser und korrekter hielt. Die Prüfung war glatt und regelrecht abgelaufen, die christlichen Gäste drückten beim Abschiede in schönen Worten ihre Zufriedenheit aus. Man hätte vielleicht aus letzerem Umstände den Schluss ziehen können, es werde nun das Talmudstudium einer gewissen Fürsorge von oben her sich zu erfreuen haben, aber der Erfolg zeigte, dass man sich hierin gründlich getäuscht haben würde. Die mit so vielem Eklat ins Werk gesetzte Prüfung hatte wohl keinen ungünstigen, aber auch keinen günstigen, sie hatte gar keinen nachhaltigen Erfolg, die Regierungsbehörden nahmen hiervon weiter keine Notiz, kümmerten sich wie früher, so auch nachher um das Studium des Talmuds nicht im mindesten und Hessen wieder alles beim Alten bewenden. Wahrscheinlich hatten die nichtjüdischen Prüfungskommissäre durch das, was sie beim öffentlichen Examen zu hören bekamen, die Ueberzeugung gewonnen, =es bewege das ganze Talmudstudium sich in gewissen externen Bahnen, die von den bestehenden Lebensverhältnissen ganz abseits liegen, und in diesem Sinne an die höheren Behörden Bericht erstattet, wo man alsdann es für überflüssig erachtete, derartige Studien einer Kontrolle zu unterziehen, vielmehr es für geratener hielt, selbe wie bisher gänzlich zu ignorieren. So verrann die ganze Begebenheit in den Sand, man hörte nicht mehr davon sprechen. Die Jeschiba-Häupter lenkten bald wieder ruhig in die alten Gleise ein, auch R. Maier Glogau konnte wieder unbehelligt seine Getreuen um sich sammeln. Kaum war aber dieses Ereignis verklungen, sollte wieder ein anderes die talmudische Welt Prags in Bewegung bringen. Im Sommer desselben Jahres verbreitete sich an einem Freitag die Nachricht in der Judengasse, es sei der hochgefeierte mährische Landrabbiner Rabbi Mordechai Benet s. A. in Prag angekommen und habe sein Absteigequartier ausserhalb des Ghetto in einem Gasthause auf dem Graben genommen. Der Rabbi war auf einer Reise nach Karlsbad zum Kurgebrauche begriffen, wollte daher wahrscheinlich Prag incognito passieren, um das Lästige des Visitenempfanges von sich ferne zu halten. Indessen konnte der Durchzug eines mit einem Minjangefolge — einem Gefolge von 10 Personen — reisenden Mannes, und noch dazu einer solchen Zelebrität nicht geheim gehalten werden und der jRabbi sah sich den ganzen Tag über von angekommenen Gästen umgeben, die 35

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