Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 4 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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gen hinreisseil Hessen, die weder ihnen, noch der Thora zur Ehre gereichten. Zu den Bachurim zählte damals auch ein unverheirateter, aber bereits im hohen Greisenalter stehender, des Augenlichtes beraubter Mann, namens R. Schlome Ederer, der als vorzüglicher, mit vielem Scharfsinn begabter Talmudist eines bedeutenden Rufes sich erfreute. Dieser mischte sich auch oft unter die Pilpulisten, seiner früheren Gewohnheit gemäss, indessen war durch der Jahre Last seine Geisteskraft bereits geschwächt, sodass die .Klarheit der Begriffe getrübt und seine pilpulistischen Ausfälle mitunter auch in sinnlosen Reden bestanden. Trotzdem hörte ihn der .Rabbi stets gelassen an, sagte ihm nie ein verletzendes Wort, sondern begnügte sich blos zu seiner nächsten Umgebung im flüsternden Ton zuzurufen, »er ist schon verwebt«; bewies ihm aber sonst alle Achtung wie früher, nach der Vorschrift des Talmuds, wo es heisst: »Nehmet euch wohl in Acht gegenüber einem Greise, der vor Altersschwäche das Wort der Thora vergessen« — Berachoth 8 b. Ich hatte mich ebenfalls der Gunst des Rabbi zu erfreuen, er kannte mich schon von früher und ich würde gleich in der ersten Woche bei der am Donnerstag Vormittag für die kleinen Bachurim stattfindenden Prüfung zuerst vorgefunden. Ich war sehr gut bestanden, und als mein Vater deshalb beim Rabbi anfragte, belobte mich dieser mit den Worten: »ein Chidusch von einem Kinde« ein sehr talentiertes Kind. — Aber wahrlich es war nicht mein Verdienst allein, dass ich die wöchentlichen Lektionen gut einstudiert hatte, einen nicht mindern Anteil daran hatte mein vortrefflicher Korrepetitor. Der Bruder meines Vaters, mein seliger Onkel Rabbi Anschl s. A. besuchte ebenfalls den Schiur des Rabbi Nahum und war von diesem ordiniert worden, kleine Schüler, die noch eines Hilfslehrers bedurften, für die Vorlesung vorzubereiten und selbe mit ihnen zu wiederholen. Natürlich gab mich mein Vater «zu ihm in die Schule, wo ich durch 4 Jahre sowohl im Talmud wie in der Bibel sehr zweckmässig und mit bestem Erfolg unterrichtet worden bin; denn der selige Onkel besass nebst seinem anerkannten talmudischen Wissen auch gründliche Kenntnis der hebräischen Grammatik und der biblischen Schriften. Unter den Letzten war es besonders die Thora, der er von Jugend auf grossen Fleiss zugewendet hatte den massorethisch präzisierten Text derselben kannte er von Wort zu Wort ganz genau, weshalb er auch als Prolektor des Pentateuch, als welcher er in der Zigeunersynagoge fungierte, für sehr ausgezeichnet galt, war aber nicht minder in den Kommentaren von Raschi und Biur bewandert und hatte den Geist der Mendelsohnischen Übersetzung vollständig aufgefasst. Es war wirklich ein Vergnügen, ihm zuzuhören, wenn er am Donnerstag Nachmittag den Wochenabschnitt (Sidra) tradierte, da wurden die grammatikalischen Erklärungen Raschis klar erläutert, die deutsche Version ins gehörige Licht gesetzt und auf die divergierenden Ansichten der genannten Kommentatoren aufmerksam gemacht. Er unterrichtete mich auf besonderes Verlangenr meines seligen Vaters in den -prophetischen Büchern und war sein Vortrag hierin ebenso interessant als fruchtbringend. Unter der Leitung eines solchen in seinem Berufsfache wirklich ausgezeichneten Mannes auf den hinsichtlich seiner unermüdlichen Lehrtätigkeit im buchstäblichen 32