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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 31

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
4 (1934)
Issue
Heft 1
Date
1934-01-01
Page
Seite 31 (sequence 32)
Language
German
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nicht, alle meine gelehrten Kundschaften nahmen die alte Ware für neue an, nur Rabbi Nahum Hess sich nicht beschummeln. Kaum hatte ich angefangen, sagte er sogleich: »das hast du ja schon voriges Jahr gelernt«. Ich war natürlich sehr betroffen, mein guter Vater sei. And. entschuldigte mich, oder besser meinen Lehrer mit dem wahren Sachverhalte. Rabbi Nahum kneipte mich in die "Wangen und Hess mir nichtsdestoweniger dieselbe Partien Makronen wie im vorigen Jahr zur Belohnung ausfolgen. Als ich das Faktum meinem Rabbi erzählte, sagte er lächelnd: »Ja, Rabbi, Nahum, 100 Jahre soll er leben, hat einen grossen Sikkaron (ein scharfes Gedächtnis).« An einem Sonntag nach dem Sukkothfeste betrat ich zeitlich früh zum ersten Male die Schiurstube, welche sich allmählich mit kleinen und grossen Zuhörern, worunter auch mehrere verheiratete Männer, anfüllte. Letztere disputierten laut über das heute zu behandelnde Thema — als Lehrstoff für dieses Jahr war der Traktat »Sabbath« gewählt worden, Fragen und Antworten wurden her und hingeworfen. Schlag 9 Uhr trat der Rabbi aus dem Nebengemach, bestieg mit einem Lächeln um den Mund die Lehrkanzel. Ich lauschte -mit gespannter Aufmerksamkeit, bald strömte aus dem Munde des Rabbi eine fleischige Hisbara — geistreiche Kombination zur Erläuterung schwieriger Stellen im Texte oder in den Kommentatoren — und obgleich ich diese nur teilweise verstand, fühlte ich mich davon aufs freudigste durchzuckt. So mäuschenstille es beim Beginne des Vortrages gewesen war, so eine geräuschvolle Disputation erhob sich bei der Hisbara von allen Seiten, eine Diskussion, wie man sich sie nicht freier denken könnte, begann auf progressive Weise sich zu entwickeln. Der Rabbi wurde mit Fragen und Einwendungen auf die ungenierteste Art beistürmt und anstatt darüber unwillig zu werden, schien er vielmehr mit freudigster Begeisterung den Kampf aufzunehmen. Seine geistige Überlegenheit spiegelte sich in dem von seinen Lippen nie weichenden, eher zu, als abnehmenden liebevollen Lächeln deutlich ab, mit ruhigem Gleichmute verstand er es durch gewandte Dialektik das gegen seine Behauptung gerichtete Wurfgeschoss stumpf und unschädlich zu machen. Manches davon sogar mit seiner Meisterhand geschickt umzuformen und zu seinem eigenen Vorteile zu verwenden. Diese geistigen Kämpfe, bei denen Rabbi Hirsch-Teweles, — Gott schenke ihm ein langes Leben! — und sein bereits in seligen Gefilden weilender Cousin Rabbi Juda Teweles sei. Andenken» damals noch im Jünglingsalter stehenden Bacburim — sich schon zu jener Zeit besonders bemerkbar machten, wiederholten sich bei jedem der wöchentlich gehaltenen drei Vorträge und hatten für mich einen besonderen Reiz. Damals bewunderte ich nämlich bloss die Geistesgrösse des Rabbi, der bei all diesen gegen seine Worte gerichteten Angriffen felsenfest sich zu behaupten wus9te, und zuletzt immer die Siegespalme davontrug, späterhin musste ich auch die Taubennatur des Rabbi anstaunen, der in solchen Fällen sich immer als echter den Namen des göttlichen Gesetzgebers verherrlichender Talmud Ghacham bewährt — Traktat Joma 86 a. — Ich lernte nämlich nachher ebenfalls als gelehrt und scharfsinnig gefeierte Männer kennen, die bei derartigen Gelegenheiten nicht selten ausser Rand und Band gerieten und sich zu Ausschreitun* 31

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