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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 28

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
4 (1934)
Issue
Heft 1
Date
1934-01-01
Page
Seite 28 (sequence 29)
Language
German
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Dobruschka wohnende, talmudische Gelehrsamkeit und wissenschaftliche Bildung in sich vereinigende Herr Seligmann Trebitsch — mit literarischen Studien «ich befasste, und bei der im Jahre 1825 stattgefundenen öffentlichen Talmudprüfung, wo auch viele christliche Notabilitäten anwesend waren, eine mit allgemeinen Beifall aufgenommene Rede hielt, worin er sich über Zweck und Bedeutung des Talmudstudiums ausgesprochen. Wollte R. Moses S. nie zugeben, dass seine Schüler andere, als in hebräischer Sprache geschriebener und in streng orthodoxem Sinne gehaltener Bücher lesen sollen; so zählte hingegen Rabbi Nahum T. zu seinen hervorragenden Jüngern H. Ahron Rosenbach, welcher Gymnasial- und philosophische Studien regelmässig absolviert und zum Doktor der Philosophie an der Prager Universität promovierte. Durch den erlangten akademischen Grad wurde das frühere Verhältnis zum Rabbi nicht im mindesten alteriert und schon mit dem Doktorshute gekrönt, kam der Letztgenannte noch regelmässig wie ehedem jeden Freitag Abend zur Gebetstunde in die Wohnung des Rabbi. So betrachtete man in Prag talmudische und anderweitige wissenschaftliche Studien nie als Gegensätze, und hätten die als Verfasser belehrender Werke renomierten Religiomslehrer — wie ihr hochgeehrter Nachfolger im Amte, der mit der Krone vielseitiger Gelehrsamkeit geschmückte H. Dr. W. Wessely — «ich herbeigelassen, Vorträge über die religions-philosophischen Schriften des Maimonides, Juda Halevi etc. zu halten, sie würden zu jener Zeit bald einen grossen Kreis lernbegieriger Jünglinge um sich gesammelt und so den Weinberg des Herrn auf fruchtbare Weise angebaut haben. Sie haben dieses nicht getan, und es war bei all ihrer literarischen Tätigkeit ihre eigentliche Wirksamkeit nur von unbedeutendem Belange die keines nachhaltigen Erfolges sich erfreuen konnte. Je weniger der aufgedrungene Religionsunterricht die Kräftigung und Befestigung des väterlichen Glaubens bezweckte, desto eifriger und tätiger waren in dieser Beziehung die Rabbinen und zwar nicht bloss die im Amte stehenden Mitglieder des Rabbinats-Koliegiums, sondern noch im erhöhten Masse die mit keinem Amte bekleideten und gänzlich unbesoldeten Leiter talmudischer Akademien. Sie standen in allgemeiner Achtung, wurden von allen niedrigen wie vornehmen Gemeindemitgliedern aufs innigste geehrt, geliebt und hochgeschätzt. Schon als Knabe von 6 Jahren ging ich fast jeden Abend mit meinem Vater sei. And. zu dem Oberrabbiner Flekeles zum Maaribgebete. Noch sehe ich ihn leibhaftig vor mir, den ehrwürdigen Greis, mit dem ehrfurchtgebietenden und zugleich freundlichen Angesichte, auf dem Weisheit und Güte deutlich ausgeprägt waren. Wie freute ich mich, wenn er mich beim Namen rief und im tiefen Basstone die Frage an mich richtete: »was hast du diese Woche gelernt?« Ich wurde dann gewöhnlich auf Freitag3) zur Prüfung bestellt, und 3) Ist es nach Nedarim 37a auch erlaubt am Sabbaih ein Kind zu prüfen, so meinte doch der gutherzige Rabbi, es könnte dadurch dem Kinde ein unangenehmes Gefühl bereitet und die Sabbathfreude getrübt werden; daher kein Prüfling von ihm am Sabbathe vorgelassen wurde, sondern immer am Freitag kommen musste. 28

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