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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 26

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
4 (1934)
Issue
Heft 1
Date
1934-01-01
Page
Seite 26 (sequence 27)
Language
German
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freudige Überzeugung bald gewonnen, dass er sein Geld fruchtbringend anlege, der Rat des Rabbi Eleasar bewährte sich als sehr weise, ich machte ohne Chumeschkenntnisse die besten Fortschritte im Talmud. Wohl legte mir das allgemeine Urteil Talent und besonders eine schnelle Auffassungsgabe bei, jedoch Hess es auch der Lehrer, von uns »Rabbi« betitelt, seinerseits an ehrlicher aufrichtiger Bemühung nicht fehlen, sein gewissenhaftes Einhalten der Schulstunden, sein ununterbrochener Fleiss während derselben waren in der Tat bewunderungswürdig. Die damaligen Rabbonim, durchgehends tüchtige Kenner des Talmuds verdienten es wohl »Mazdike «Horaibim« »Leiter auf die rechte Bahn für viele« genannt zu werden; die nach dem Ausspruche Daniels (ibid 12, 3) wie die Sterne am Firmamente einst glänzen werden. — B. Batra 8 b. — Denn sie betrachteten ihr Lehramt nicht als Melkkuh, die ihnen nur in spärlichem Masse Milch gab — sondern als heiliges Werk, und hüteten sich daher sehr vor der Drohung der Propheten (Jeremias 48, 10). »Verflucht sei, der das Werk Gottes lässig betreibt!« B. Batra 21 b. Sie lehrten ununterbrochen 4 Stunden Vor- und ebensoviel Nachmittag, nicht selten auch weit über die gewöhnlichen Lehrstunden hinaus, wenn nämlich das Thema schwierig und für die Schüler nicht so leicht fasslich war. Zur Winterszeit, wo zwischen 4 und 6 pausiert wurde, ward dafür von 6 bis 8 Abends Schule gehalten und so buchstäblich das Wo-rt der heiligen Schrift (Josua 1, 8) erfüllt »Du sollst darin forschen Tag und Nacht — Maimonides Hilchot Talmud Thora 2. Absch. § 2.« Dieselbe Gewissenhaftigkeit wie in der Lehrzeit beobachtete mein Rabbi auch hinsichtlich des Lehrstoffes, wozu er nur solche Fächer wählte, die er selber genau verstand, sich aber keineswegs in Disziplinen mischte, die ihm fremd waren und für die er nur wenig Verständnis hatte. Wir wollen hiefür nur ein Beispiel anführen. Nebst dem Talmud .wurde gewöhnlich am Donnerstag Nachmittag auch die Sidra mit Raschis Kommentar gelehrt, da der Rabbi aber mit der hebräischen Grammatik nicht vertraut war, so wurden alle jene Stellen des genannten Kommentars, welche grammatische Kenntnis voraussetzen einfach übergangen. Der schlichte, ehrliche Sinn des Rabbi hielt es für verdienstlicher, lieber gar nicht, als falsch zu lehren, und in dem er den talmudischen Grundsatz »es sei oft gänzliches Stillschweigen nicht minder lobenswert als vortragen« — Pesachim 226 — sich vor Augen hielt* bewahrte er seine Schüler vor Begriffsverwirrung und falscher Auffassung. >Diese edle Bescheidenheit, die den Männern jener Zeit eigen war, hätte wahrlich dem darauffolgenden Geschlechte gar oft zum Muster dienen dürfen, denn da gab es so viele arrogante Bachurim, die entweder auf das, was über ihren beschränkten Gesichtskreis hinaus lag, mit stolzer verachtender Miene herabzublicken, oder — was noch ärger — da, wo der klare Begriff fehlte, durch lautes Herumwerfen mit sophistischen Kniffen und Verkehrtheiten ihre Unwissenheit zu bemänteln sich bemühten. Wir könnten auch hiefür manchen aus dem Leben gegriffenen Beleg anführen, allein exempla sunt odiosa, so kehren wir lieber zu unseren Rückerinnerungen zurück. War nun einerseits für den hebräischen Unterricht hinreichend gesorgt, «o durfte es doch andererseits auch zu der allgemeinen Schulbildung nicht 26

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