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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1934-01-01 · Heft 1 · p. Seite 25

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
4 (1934)
Issue
Heft 1
Date
1934-01-01
Page
Seite 25 (sequence 26)
Language
German
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Reminiszenzen aus meiner frühen Jugendzeit. Von Kreisrb. Gutmann Klemperer s. A. (Tabor). Gewiss sind Geburts- und Sterbetage denkwürdige Familienbegebenheiten und sonach der Monat Ab für mich besonders merkwürdig, der mir freudige wie traurige Ereignisse gebracht, jedoch haben die letzterem mich erst in meinem Mannesalter betroffen, gehören demnach nicht unter meine Jugenderinnerungen, daher nur den erstem Erwähnung hier geschehen soll. Der 15. Tag des gedachten Monates war der Geburtstag meines sei. Vaters und am darauf folgenden Tage der meinige, ich erblickte nämlich Dienstag den 16. Ab im Weltjahre 5575 — 22. August 1815 — zum ersten Male das Licht der Welt. Das warme gefühlvolle Herz meines in Gott ruhenden Vaters hing natürlich an mir, seinem einzigen Kinde mit aller Glut väterlicher Liebe und obwohl er als Schames der Zigeunersynagoge in kümmerlichen Verhältnissen lebte, so war ihm doch für meine geistige Pflege kein Opfer zu gross, er tat für meine Erziehung und Bildung oft weit über seine Vermögenskräfte. Ich übergehe die für den Leser wenig Interesse bietenden Schilderung meiner Kinderjahre. Die Erziehung welche nach den damaligen streng konservativen Grundsätzen geleitet wurde, Hess den Unterricht erst mit dem Hebräischen bei mir beginnen. Welcher Methode mein Lehrer folgte, weiss ich jetzt nicht mehr anzugeben und genoss ich überhaupt nicht lange ausschliesslichen Unterricht in der heil. Schrift, denn der damalige Oberrabbiner Eleasar Fleckeles s. A. wollte nicht anders, als dass ich, obwohl erst 5 Jahre alt, schon in die Anfangsgründe des Talmudstudiums eingeweiht werden möge. Mein Vater wagte zwar den schüchternen Einwand »er kann noch keinen Chumesch, wie soll er Gemore lernen?« worauf der Rabbi in bestimmten Ton erwiderte, es sei bei ihm derselbe Fall gewesen, zum Talmudstudium sei irgendwelche Vorkenntnis des Chumesch durchaus nicht notwendig.1) Dem Befehl des so hoch gestellten Rabbi inusste unbedingt gehorcht werden, ich wurde in der in unserer Gas.se befindlichen Talmudschule untergebracht, meine Mutter vergoss zwar heisse Tränen darüber, dass das kleine Kind schon so angestrengt werden sollte, aber ihre zärtliche Besorgnis zeigte sich bald als grundlos, die Anstrengung schadete mir nicht im mindesten. Mein Vater zahlte das festgesetzte wöchentliche Honorar pünktlich und mit grösster Bereitwilligkeit, hatte aber dafür die *) Diese Ansicht des Talmudstudiums, zeitlich zu beginnen, es dem biblischen Schriftworte vorzuziehen, bat auf Raschis Erklärung zu »Minu benechem min ha Higajon« (Berachoth 28 b) Vergi. Mendelsohns Vorrede zu Maimonides »Miloth Hahigajon«, wo die Ansicht Raschis trefflich erläutert wird. 25

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