Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 4 (1934)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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leibt zu werden und die Rechte der Partheyen ohne Unterschied der Religion bei Gericht zu vertreten. Ist etwa die Heilung der Kranken nicht ein ebenso wichtiges, für die Gesellschaft ebenso interessantes Geschäft, als die Schlichtung der Rechtshändel.44 Der oberste Kanzler, Graf Friedrich Anton Hatzfeld, aber meint, dass man die Juden bloss als Advokaten in jenen Fällen bei Gericht zulassen solle, in denen es sich um Prozesse von Juden gegen Juden handle. Derselben Meinung ist auch Erzherzog Franz, der spätere Kaiser Franz IL, der damals im Staatsrat „praktizierte44. Sein Oheim aber, Kaiser Leopold hält sich nicht an die Meinung seines Sohnes und Nachfolgers, sondern schreibt beeinflusst vom Geiste seines grossen Bruders und Vorgängers Josef II. am 15. August 1790 folgende „allerhöchste Resolution44: Nicht allein der Jud Rafael Joel, sondern die Juden überhaupt können zwar nicht doctores juris canonici, wohl aber doch, wenn sie alle praestanda praestirt haben, doctores juris civiles und zugleich Advokaten werden, und in dieser letztern Eigenschaft Juden und Christen vertreten. Sein erstes Ziel hatte nun Jung Joel erreicht. Er war Doktor juris und der erste jüdische Advokat im Kaiserreich. Er gründete nun eine Familie, der nun 28jährige vermählte sich im Jahre 1790 mit dem gleichaltrigen Fräulein Amalie, der Tochter des Prager Arztes Dr. Abraham Kisch und verschwägerte sich so mit dieser bekannten und gelehrten Prager Familie. Ein Jahr darauf hatte er Gelegenheit dem Kaiser Leopold, der sich ihm so gerecht und gnädig erwiesen hatte, einen, wenn auch sehr bescheidenen Dienst, zu erweisen. Doktor Joel, der unterdessen zu den Angesehensten der Prager Judenstadt gezählt wurde, durfte nämlich dem Kaiser Leopold, der nach Prag zur böhmischen Königskrönung kam und seinen feierlichen Einzug durch die Stadt hielt, den Anblick nicht reinlich und geziemend bekleideter Juden ersparen. Ein verschollenes Alt-Prager Büchlein von Johann Debrois: „Aktenmässige Krönungsgeschichte des Königs von Böh- 13