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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1933-02-01 · 2 (Februar 1933) · p. Seite 135

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
3 (1932-1933)
Issue
2 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 135 (sequence 71)
Language
German
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Allerdings: um diese Buntheit in ihrer ganzen Pracht zu erleben, müssen wir schon weit nach dem Osten gehen, wo die Juden noch, gegen die Umwelt strenger abgeschlossen, seit Jahrhunderten ihr gleiches, fast unveränderliches Leben führen. In unseren westlichen Ländern, wo die Juden schon seit langem im Bannkreise mitteleuropäischer Zivilisation leben, sieht es damit ungleich trauriger ms. Vieles ist bereits in Verlust geraten, dem tikrhtjüdischen Leben angeglichen worden. Kaum wissen wir heute in Einzelheiten, wie die Juden etwa Böhmens und Mährens vor hundert, zweihundert Jahren gelebt haben. Die Dinge, welche uns die geschichtlichen Urkunden vermitteln, sind anderer Art. Die Volkskunde können wir nur sozusagen am lebendigen Leibe des Volkes studieren. Noch ist es nicht zu spät. Fast in jeder Kille wird es noch eine oder mehrere ältere Personen geben, die Aufschluß geben können über das jüdische Leben früherer Jahrzehnte, über Sprache und Namengebung, Sage, Märchen und Lied, über Sitten und Bräuche bei Beschneidung, Hochzeit und Beerdigung, zu Jomkippur, Sukkoth, Chanukkah und Peßach, über das lustige Treiben zu Puritn, über böse Geister und Krankheiten und Mittel gegen diese, über Arbeit und Erholung, Scherz und Spiel von anno dazumal. In abgelegenen Gemeinden ist sicherlich noch einiges davon lebendig, ist noch manch alter Brauch, manche alte Gewohnheit bei den Alten erhalten. Sicherlich haben auch noch manche Häuser und Synagogen innen und außen ihr altes Bild bewahrt, vielleicht liegt sogar noch auf den Dachböden manches Stück altväterischen Hausrats oder alter Tracht aus der Zeit der Schnallenschuhe und der Goldhaube. Noch ist es Zeit, all das ans Tageslicht, in die Hände der Wissenschaft zu bringen, damit auch spätere Generationen erfahren, wie die Juden unserer Länder einst lebten, sich freuten und litten. Wie schon oben erwähnt, hat die Volkskunde in jüdischen Kreisen bisher wenig Beachtung gefunden; das Interesse für jüdisches Altertum hat sich auf Geschichte und Kulturgeschichte beschränkt. Rühmend sei hier als Ausnahme beispielweise der verdienstvollen Tätigkeit Rabb. Dr. Max Grunwalds in Wien gedacht, der aber stets mit der Teilnahmslosigkeit weiterer Kreise zu kämpfen hatte. Auch in der Tschechoslowakei besitzt die jüdische Volkskunde bisher keine Heimstätte, weder eine Arbeitegemeinde 135

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