Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 2 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 111 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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stein vom 4. September 1334 wird entschieden, daß wie in anderen Gebieten, die Juden auch aus dem Gebiete des Hochstiftes Bamberg ohne Bewilligung des Schutzherrn nicht wegziehen dürfen (vgl. Scherer, a. a. O. 507 f.). Wenn nun auch Villach und Wolfsberg zur Enklave Bamberg gehörten und man die Juden dortselbst nicht missen wollte, denn nur das kann doch der Sinn dieser Verordnung gewesen sein, so wird es ähnlich gewiß auch im übrigen Kärnten gewesen sein und ich kann mir darum auch aus diesem Grunde nicht gut vorstellen, daß man selbst bei dem überspannt gesteigertem Glaubensfanatismus des 14. Jahrhunderts zu dem bestialischen Mittel der vollständigen Ausrottung gegriffen hätte. Denn es handelt sich doch nach dem Berichte des Anonymus in unserem Falle nicht um eine Vertreibung, wie dies Ilwof (a. a. O., S. 206), nach ihm Scherer, a. a. 0., S. 466 f. und Pirchegger, a. a. O., S. 284 mitteilen, sondern um eine grausame Ausrottung. Wenn Pirchegger dann weiter meint, die Vertreibung währte nur kurze Zeit, weil die Habsburger die Juden, die ihnen nötig waren, schätzten, so ist diese Annahme der Rückkehr nach kurzer Zeit nirgends beurkundet. Ich kann mir auch nicht gut vorstellen, daß die Habsburger zu dieser Schätzung der Juden erst nach der Vertreibung gelangt wären. — 84 Annales duc. Styr., II. 412, s. Margo: „Judenburgi Judaei deleti: Ita ex traditione plurimorum vigente, mihi communicavit vir pro Patria nostra Zelosissimus P. Albertus Fink ord. S. Francisci Strict. observantiae Feldbaci degens." 35 Annales duc. Styriae II 412; derselbe. Staatsu. Kirchengeschichte d. Herzogt. Steiermark, V 147. — 86 So Leithner, a. a. O., S. 15; Ilwof, a. a. 0., S.; Scherer, a. a. O., 467 f,; Grill Karl (der übrigens hauptsächlich Peinlich, Judenburg und des h. Geistspital daselbst, Graz 1870, S. 7 f. folgt), Judenburg einst und jetzt, Judenburg 1912, S. 26 (Anm. 1 wird berichtet, daß die Sage vom Judenmädchen, daß einen christlichen Jüngling zum Geliebten hatte, von dem „steierischen Körner", dem Dichter Joh. Georg Fellinger in dem Fragmente „Die Christmette" dramatisch bearbeitet wurde. Auch Peter Rosegger hat sie als Stoff benützt); Rosenberg, a. a. 0., S. 4, Anm. 4. — 87 S. 7. 37 a) Trotz dieser offenkundigen und für jeden historisch auch nur halbwegs Geschulten sofort erkennbaren, legendären Mitteilung, ist es doch möglich gewesen, daß der in München erscheinende „Völkische Beobachter*' in seiner am 5. September 1932 erschienenen Nummer folgende Mitteilung bringen konnte: „Schon 100 Jahre früher hatten die Einwohner Judenburgs den Versuch gemacht, die Judenplage abzuschütteln und durch Selbstschutz die jüdische Hand von der Gurgel zu ziehen. 1312 flammte der Haß auf, weil die Bürger erfahren hatten, daß die Juden in der Christnacht die sämtlichen Christen der Stadt durch gedungene Söldner töten lassen wollten, um allein und ungehindert in dem damals stark befestigten Ort regieren und den lebhafter Handel bestimmen und ausnützen zu können. Das gepeinigte Volk stanc auf und rächte sich für den Wucher und die Aussaugung. Zwei Drittel der in Juin