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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1933-02-01 · 2 (Februar 1933) · p. Seite 103

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
3 (1932-1933)
Issue
2 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
Seite 103 (sequence 39)
Language
German
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ren Richtung hin schwere Bedenken auf. Als Sühne für den Frevel, meint er, „ipsi Judei in Stiria et in Karinthia fere omnes faerunt interempti, quidam igne, quidam autem ferro". Daß dieser Bericht unwahr ist, ersieht man zunächst daraus, daß wir trotz der überaus spärlichen Nachrichten über Juden in der Steiermark in der damaligen Zeit, Urkunden besitzen, die uns Juden hierzulande nennen. So z. B. wird uns im Jahre 1309 ein in Graz wohnender Muschlein und eine Frau Golde genannt. Aus dem Jahre 1310 Jakob, Moschluben sein Sohn, Suezlein sein aydem von Judenburich, Saul, Toblein, Merchlein, sein Bruder Friedlein und Dauit. 1311 Suezlein zu Pettau. 1313 Toblein und Friedlein zu Graz.32 Nicht ohne Bedeutung erscheint mir auch die Unglaubwürdigkeit der Geschichte mit dem Sacke, die uns Ambrosius erzählt. Denn würden die Juden die Hostie tatsächlich gestohlen haben, wären sie gewiß nicht so unvorsichtig gewesen, den Sack mit seinem kostbaren Inhalte zu vergessen, da sie doch wissen mußten, was für sie beim Ertappen am Spiele stand. Noch weniger glaubwürdig erscheint es, daß der Jude bei der Umkehr sich seinen Sack zu holen, als er dort Christen vorgefunden hatte, von welchen er doch annehmen mußte, daß sie die im Sacke sich befindende Hostie gesehen haben durften, sich als Besitzer derselben bekennt. Er mußte doch wissen, daß dies für ihn die grausamsten Folgen haben werde. Auch erscheint es mir nicht unwichtig darauf hinzuweisen, daß Ambrosius die Geschichte mit der blutenden Hostie nicht so detailliert, wie der Anonymus, der uns sogar die Zahl der Nadelstiche angibt, beschreibt. Ich kann mir aber weiters auch nicht vorstellen, daß ein so furchtbares Ereignis, zumal wenn man bedenkt, daß zu dieser Zeit bedeutende jüdische Siedlungen in der Steiermark und Kärnten, man denke nur in letzterem Lande an Villach und Wolfsberg, bestanden haben,33 so stillschweigend in den Geschichtsbüchern und Chroniken übergangen worden wäre. Ja selbst Bruder Ambrosius, der doch gerade in dieser Zeit gelebt hat, erwähnt nichts von einem so grausamen Gemetzel. In das Bereich der Fabeln, was man übrigens schon frühzeitig erkannt hat, gehört auch jene Erzählung, die Cäsar berichtet worden ist34 und die er uns in seinen Annales usw. mitteilt: „Forsitan 103

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