Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 2 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 102 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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sich der Anonymus arg vergriffen. Denn mit Ausnahme einer einzigen Urkunde, die aber erst aus dem Jahre 1342 (24. November) stammt, und in der uns ein in Fürstenfeld wohnhafter „Muschlein" genannt wird, ist uns bislang keine weitere Urkunde bekannt geworden, aus der hervorginge, daß je Juden im Mittelailter in Fürstenfeld gewohnt hätten.27 Wenn Lange uns von solchen berichtet,28 so ist das eine mit den Tatsachen nicht übereinstimmende, irrige Ansicht. Lange nämlich kam zu seiner Vermutung — und das ist charakteristisch für die Art, wie oft Geschichte geschrieben wird — dadurch, daß uns Cäsar in seinen Annales Ducatus Styriae3* folgendes berichtet: „De Vorav. Canonia Chron. domesticum Ms. ita refert, qai nempe Bernard. III. Praep. X. Vorav. (cum in Fürstenfeld de jure, quod dicitur Marek-Dienst in bonis Monasterii Vorav. dictis in Neudorf, inter Officiales Domini nostri Serenissimi Romanorum Regis ex parte una & Dom. Praepositum praefatum suumque Collegium ex parte altera quaestion verteretur, dictus Praepositus per se, & suos probavit testimonio laudabili & honesto, dictum jus integraliter imo nullo obstante suo Monasterio attinere in bonis memoratis, quemadmodum etiam coram Dom. Brunone Vener. Oson. Rutten) censeo Legendum Olomuc. Eccles. Episc. quem Capitaneum Styriae suisse novimus Episcopo obtinuerat primitus rationabiliter & boneste Voraviensis Praepositus memoratas." Da nun aus dieser Darstellung ersichtlich ist, daß im Jahre 1278 in Fürstenfeld ein Streit zwischen den königlichen Beamten und dem Vorauer Abte Bernhard III. wegen der dem Stifte Vorau gehörigen Güter in Neudorf über das Recht, welches „Marek-Dienst" genannt30 wird, ausgebrochen worden war, schloß Lange daraus, müssen auch Juden da gewohnt haben. Denn wo ein Markt ist, müssen naturgemäß auch Juden angesiedelt gewesen sein. Eine Ideologie, die wohl selbst an vielen Beispielen in der Steiermark widerlegt werden könnte. Auf Grund solcher Beweise Schlüsse für die Anwesenheit von Juden zu ziehen, erscheint mir unzulässig. Solange uns also nicht weitere Belege zugänglich gemacht werden, die auf eine Siedlung von Juden in Fürstenfeld im Mittelalter hinweisen, wird man eine solche entschieden ablehnen müssen. Der Bericht des Anonymus weist aber auch nach einer ande- 102