Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 2 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 100 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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dolpho, filio Albertis regis Romanomm." Was kann man nun von der Zuverlässigkeit des Berichtes eines Mannes halten, der, und mag er noch so abgeschieden gelebt haben, sich nicht im Klaren darüber war, welcher Herzog 5 Jahre vor der Niederschrift seiner Arbeit regiert hatte! Weiters — und das ist für mich besonders wichtig — erwähnt er uns den Ort nicht, in welchem in der Steiermark sich dieser Fall einer Hostienschändung zugetragen habe. Das gibt doch zu bedenken Anlaß! Wohl ist es ja richtig, daß die Niederschrift des Berichtes aus der Steiermark bloß ein Brouillon ist.20 Das aber konnte doch wahrlich kein Hindernis sein, den Namen des Ortes, der doch im gegenständlichen Falle gewiß das Wichtigste gewesen ist, auch der rohen Niederschrift einzufügen. Der Umstand, daß ei ihn verschweigt, ist für mich ein klarer Beweis, daß Bruder Ambrosius, nicht so sehr der geschichtlichen Wahrheit dienen wollte, als vielmehr nur die Absicht hatte eine Schmähschrift gegen die Juden, wie ja das so häufig geschah, zu schreiben, und daß die von ihm erzählte Geschichte sich überhaupt nicht, geschweige denn gar in der Steiermark ereignet hatte, weil er ja sonst den Namen des Ortes, wie ich dies bereits erwähnt habe,21 unbedingt seiner Arbeit eingefügt hätte. Ich erkläre mir vielmehr die Sache so. Ambrosius, der als Untersuchungsrichter — es liegt durchaus im Bereiche der Möglichkeit, daß er seiner judenfeindlichen Gesinnung wegen zu diesem Amte berufen worden sei. Denn daß er judenfeindlich gesinnt war, geht ja klar aus dem Schluß seines Berichtes über den angeblich im Jahre 1307 stattgefundenen Hostienraub aus der Michaeierkirche in Wien, wie denn überhaupt aus dem ganzen Ton seiner Berichte hervor — in dem im Kloster Lilienfeld geführten Prozesse eine schwere Niederlage erlitten hat, wollte darum jetzt an den Juden in solcher Art Rache nehmen, daß er eine Zusammenstellung aller der Fälle, in welchen die Juden der Schändung von Hostien zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Ländern bezichtigt wurden, plante, an deren Vollendung ihn nur der Tod verhindert haben mochte. Nach Niederösterreich, sollte die Steiermark und dann andere Länder kommen. Darum die Verlegung der Beschuldigung auch nach der Steiermark. Das alles sollte für ihn eine Rechtfertigung vor dem Bischöfe Wernhard sein. Denn die Hostienschändung in Korneuburg entpuppte sich ja, wie be- 100