Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 2 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 99 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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doch irgendwo ein Hinweis für einen Ort finden ließe, auf den man im^Laufe der Zeit diese Hostienschändung lokalisiert hatte. Ilwof glaubte nun einen solchen Hinweis in einer Mitteilung des Anonymus Leobiensis gefunden zu haben, all wo folgendes mitgeteilt wird: „Anno domini Mcccxii, ortum est de Judeis uerbum inauditum quod sacramentum altaris male tractassent, sed ueritas experiri non poterat. Cum adhuc» uerbum in terra Stirie diuulgaretur apud quendam Judeum prope Fürstenuelde inuenta est hostia sangwinolenta plus10 quam decem fixuras habens et quod Semper ftxura profundior fuit quam hostia et tarnen hostia nusquam erat perforata, sed fixura omnis ut recens uulnus erat cruore plena. Propter hoc ipsi Judei in Stiria et in Karinthia fere omnes fuerunt interempti, quidam igne, quidam autem ferro/'11 Auf Grund dieser Mitteilungen glaubte nun Ilwof auf einen Zusammenhang mit der von Bruder Ambrosius erzählten Hostienlegende schließen zu sollen, hegt aber dann selbst am Schlüsse seiner Arbeit Bedenken gegen diese Verbindung und meint: „soviel stellt sich heraus, daß im Jahre 1310 eine Verfolgung gewesen sein mußte und sei Ambrosius, der 2 Jahre danach geschrieben, mehr zu glauben, als dem Anonymus, der sein Werk bis zum Jahr 1347 fortführt." Auch meint Ilwof, der Ort des Frevels dürfte wenn auch nicht in Fürstenfeld selbst, so doch tatsächlich in der Nähe von Fürstenfeld gewesen sein. Auf Grund dieser beiden Berichte haben nun alle Geschichtsschreiber, die sich mit der Geschichte der Steiermark beschäftigt haben, es als eine Tatsache hingenommen, daß in den Jahren 1310 und 1312 Judenverfolgungen in Fürstenfeld stattgefunden haben, ja daß die Juden infolge der in diesen Jahren stattgefundenen Verfolgungen aus ganz Steiermark und Kärnten vertrieben worden sind. So Cäsar,12 Leithner,13 Muchar,14 Scherer,15 Rosenberg,18 Lange,11 Urschler,18 Pirchegger19 u. a. Ich aber glaube, daß diese Annahme einer kritischen Überprüfung nicht stand hält. Denn zunächst muß doch auffallen, daß ein Mann wie Bruder Ambrosius, der doch damals, als er seine Berichte über die Hostienschändung der Juden zusammenstellte, dies scheint ja der Zweck seiner Arbeit gewesen zu sein, gewiß schon in einem gereiften Alter gestanden haben mußte,9a niederschreiben konnte: „quod accidit ante quinque annos, ut puto sub duce Austrie Ru- 99