Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 3 (1932-1933)
- Issue
- 2 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- Seite 91 (sequence 27)
- Language
- German
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Durchführung und es ist vielleicht ein gar nicht uninteressanter Beleg für die Priesterrolle des jüdischen Volkes, daß sich in Wien einmal Priester darüber beschwerten, die jüdische Tracht sei der Priesterkleidung so ähnlich, daß unwissende Leute einen Juden leicht mit einem Mönch verwechseln. Ähnlich soll es auch jüngst erst in einer der burgenländischen Judengemeinden vorgekommen sein, daß Bauernmädchen den Rabbinersohn für einen Geistlichen hielten und ihm die Hände küßten; aber nicht viel weniger positiv ist auch jene Beziehung zwischen Zisterziensern und Juden, die mittelbar daraus erhellt, daß sich in einem der böhmischen Klöster des Ordens viele hebräische Handschriften befinden, die wohl gelegentlich irgendwelcher Judenvertreibungen oder Verfolgungen in seine Bibliothek geraten sein dürften. Unter diesen Handschriften ist wohl noch besonders interessant „Ein geistliches, wahrhaftig Abrahamitisches Brandopfer, welches Abraham Lazar, ein von Hermetschlag geborener Jude geopfert, da er im 13. Jahre seines Alters durch die Annehmung des katholischen Glaubens sich selbst Gott gewidmet und von P. Carolo Opitz, derzeit bei dem heilsamen Bründl ältesten Kaplan in dem katholischen Glauben unterrichtet, den anderen Sonntag in den Fasten getauft und Andreas Carolus Neigebohrner genannt ist worden." Bei a!ller Weltabgeschiedenheit konnte es aber bei den Zisterziensern auch nicht anders kommen, als dafr ihr Zusammentreffen mit Juden einmal auf wirtschaftlichem Gebiete erfolgen und hier nicht gerade ablehnend oder feindselig ausfallen würde. So schrieb denn auch schon Johann I. von Langhaim, der von 1410—12 Abt von Lilienfeld war, an Herzog Albrecht V., er habe bei der Übernahme seiner Würde vier Pfennige in der Kasse, Schüttkasten und Keller leer vorgefunden, viele Güter seien an die Juden verpfändet, die Schulden betragen mehr als 3000 Pfund . . . Diese allgemein gehaltenen Angaben lassen freilich noch offen, ob es sich um Juden aus Wien oder sonst aus irgendeinem Orte Österreichs handelte, wer diese Juden waren und was mit ihren Forderungen schließlich geschah. Wahrscheinlich waren diese Forderungen, wie es im Mittelalter allgemein üblich war, in einem „Judenbuche" verzeichnet gewesen, das aber verloren gegangen sein dürfte. Ein ähnliches Satzbuch ist dagegen im Archiv eines anderen österreichischen Zisterzienserklosters (Rein, Steier- 91