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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1932-06-01 · 4 (Juni 1932) · p. Seite 283

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
2 (1931-1932)
Issue
4 (Juni 1932)
Date
1932-06-01
Page
Seite 283 (sequence 49)
Language
German
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Dies verursachte große Zwistigkeiten in der Gemeinde. Beide Parteien wandten sich an das Kultusministerium. Der damalige ungarische Kultusminister, Baron Josef Eötvös, der eifrigste Kämpfer für die Emanzipation der ungarischen Juden, Verfasser des noch heute lesenswerten, im Jahre 1840 erschienenen Büchleins „Die Emanzipation der Juden", sandte den Altofner (Öbuda) Oberrabbiner Markus Hirsch als Regierungskommissär nach Kaschau, damit er den Frieden in der Gemeinde herstelle und die Gegensätze zwischen den Parteien schlichte. Hirsch hielt sich eine längere Zeit in Kaschau auf, verhandelte oft und lange mit den interessierten Parteien, erklärte die neue Synagoge vom religiösen Standpunkte für tadellos und ließ die Synagoge in der Glockengasse schließen. Hirsch verließ mit dem Bewußtsein die Gemeinde, „daß der wünschenswerte und ersehnte Ausgleich der Parteien leider nicht gelungen" und mußte gestehen: „Meine nach dieser Richtung hin entfalteten eifrigsten Bestrebungen scheiterten bei dem heftigen Sturm der dort wütenden, unlauteren Leidenschaften an dem Starrsinn jener Partei, welche die unberechtigte vollständige Lostrennung vom Gemeindeverbande anstrebt."12 Wie es vorauszusehen war, konnte der „Frieden" nicht lange dauern. Nach dem Kongreß der ung. Juden (1868—69) loderten die Flammen des Zwistes wegen der Frage der Synagoge wieder auf. 32 Rabbi Hirsch ließ seinen Bericht an das Kultusministerium, welcher ein hochinteressantes religiösliterarisches und kulturhistorisches Produkt ist, auch im Drucke erscheinen. Der vollständige deutsche Titel des aus 36 (sechsundachtzig) Seiten bestehenden, zweisprachigen — ungarischen und deutschen — Werkchens lautet: Wlorte des Friedens und der Wahrheit. Gutachtlicher Bericht, vom religiösen Standpunkte, zufolge seiner Exmission unter Zahl 10680/1867 dem hohen K. ung. Cultus-Ministerium unterbreitet, über die in der Kaschauer isr. Cultus-Gemeinde ausgebrochenen Parteiungen, mit Beleuchtung der Berechtigung jener in der heimathlichen Judenheit überhaupt wahrzunehmenden Separations-Bestrebungen von M. Hirsch, Oberrabbiner in Alt-Ofen. Pest, 1868. Diese Schrift ist im Buchhandel nicht mehr zu bekommen. Die Muttergemeinde besitzt kein einziges Exemplar von diesem „Bericht". Mein Exemplar stammt aus der Bibliothek meines im Jahre 1924, in Debreczen verschiedenen Vaters, Elieser, s. A., der einige Jahre ein Lieblingsschüler (Bachur) des Babbi Hirsch in Altofen war. Über Eabbi Hirsch, 1833—1909, der auch von 1880—1889 Prager Rabbiner war, s. Zsido Lexikon, S. 365—'366 u. Jüdisches Lexikon, B. H., Sp. 1617. ♦ 283

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