Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 4 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 260 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Raudniger Fleischbank betrieb 1724 der Türmitzer Jakob Khaim ebenfalls, 1734 ist dort Pächter „Jud Salomon Jacob". In beiden Jahren sind als Fleischbankzins 10 Gulden verrechnet. Im übrigen war wohl die Hauptbeschäftigung der Türmitzer Juden der Handel. Sie besuchten besonders die Meierhöfe der Umgebung und kauften dort Häute, Federn, Wolle. Ebenso kamen Juden aus anderen Orten auf den Türmitzer Meierhof, wie wir dies von dem Juden Josef Löbl von Soborten erfahren, der im Jahre 1708 beim gräflichen Türmitzer Amte kaufte: 9^ Pfund „Pflaumfeedern" (== Flaumfedern) zu je 45 Kreuzer und 21 Pfund geschlissene Federn zu je 30 Kreuzer. 1734 erstand der Teplitzer Jude David Kohn vom Herrschaftsamte 65 Stein und 14 Pfund Türmitzer und 60 Stein und 11 % Pfund Stöbner Schafwolle um 833 Gulden 28 Kreuzer. In späteren Jahrzehnten taucht in den alten Grundbüchern ab und zu einmal der Name eines Juden — meist aus Soborten — als Geldverleiher auf. Der Nutzen, den sie aus diesem Geschäfte nahmen, bewegte sich aber stets auf bürgerlichem Boden, sodaß man sie durchaus nicht als Wucherer bezeichnen kann. Kleinhandel und Geldgeschäfte waren ja das einzige, was die damalige Gesellschaftsordnung den Juden zukommen ließ, und wir müssen eigentlich staunen, welchen geistigen Aufstieg dieses Volk infolge des ungeheuerlichen Druckes, der im Mittelalter und bis weit herein in die neuere Zeit auf ihm lastete, erlebt hat. 260