Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 4 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 259 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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bezahlen sollen". Nur der arme Moises Gabriel brauchte bloß die Hälfte dieses Betrages, also 45 Kreuzer, für das „Weihnachtsgewürz" beizusteuern. Die Juden hatten damals auch ein Bethaus in Türmitz, wenigstens muß man dies nach einer Eintragung im „Inventar über aillerhand Wirtschaftssachen der Herrschaft Türmitz" vom Jahre 1721 annehmen. Darin sind Einrichtungsgegenstände aufgezählt „beym vorigen Brandtwein Hauß, wo ietzt die Juden Schul ist". Über die Beschäftigung der Türmitzer Juden erfahren wir wenig. Aus der Geld-Hauptrechnung von 1708 ist ersichtlich, daß sie die Türmitzer Fleischbänke mitbenützten1. Während aber die Türmitzer Fleischhacker Simon Schmied und Christian Meixner von St. Galli 1707 bis Lichtmeß 1708 an Benützungsgebühren für die Fleischbänke 1 Gulden 30 Kreuzer und an „Schlacht Zungen Geleit" 2 Gulden 20 Kreuzer entrichteten, waren für denselben Zweck ein neuer Aufschlag wegen der Juden im Betrage von 5 Gulden und ein „Gefell Gddt von denen Juden" von 3 Gulden vierteljährlich vorgeschrieben worden. Insgesamt führte in diesem Jahre in Türmitz die „Judenschaft allda" 56 Gulden als Fleischkreuzer ab. Im Zusammenhange damit stand wohl auch die Pachtung des Lederhauses in Türmitz durch den Türmitzer „Judt Jacob Khaim", wofür dieser im Jahre 1724 einen Zins von 30 Gulden entrichtete. Der Vertrieb der bei Schlachtungen gewonnenen Häute war früher von der Herrschaft selbst durch einen eigenen „Lederschreiber" besorgt worden. Man scheint aber mit der Verpachtung gute Erfahrungen gemacht zu haben, denn im Jahre 1734 steht die Türmitzer Schutzjüdin Bella, die Witwe des 1724 genannten Jakob Khaim, noch dem Lederhause vor und entrichtet ebenfalls jährlich 30 Gulden Zins dafür. Jakob Khaim war auch Pächter der obrigkeitlichen Branntweinbrennerei1 und zahlte als solcher im Jahre 1724 einen „Branntwein Hauß Zins" von 20 Gulden, ebenso seine Witwe im Jahre 1734. Der Jahreszins für beide Unternehmungen entsprach einem Lohne für 200 Arbeitstage eines Maurers, was wohl für einen recht lebhaften Geschäftsgang in beiden Betrieben zeugt. 1 Befanden sich an Stelle des jetzigen" Hauses Nr. 271 in Türmitz (Marktplatz). aAm Anfange der heutigen Brennergasse in Türmitz, die davon den UNTamen hat. 259