Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 4 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 258 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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erhalten haben und im Pruhonitzer Archiv aufbewahrt werden1, so ziemlich die einzigen Nachrichten aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts über die Türmitzer Schutzjuden besitzen. Der Schutz, den die Juden von seiten der Herrschaftsobrigkeit genossen, bestand lediglich darin, daß sie im Orte geduldet wurden. Dafür waren sie verpflichtet, einen ziemlich hohen Zins an das herrschaftliche Amt, das sogenannte „Judenschutzgeld", zu entrichten. Dieses betrug bis zum Jahre 1708 für einen Türmitzer Juden jährlich 12 Gulden. Wenn man diesen Betrag mit den Löhnen vergleicht, die damals im Orte den Maurern und Zimmerleuten gezahlt wurden und die täglich 15 Kreuzer betrügen, so entspricht dieses jährliche Judenschutzgeld einer Arbeitsleistung von 48 Handwerkstagen. Im Jahre 1708 wurde das Schutzgeld um jährlich 3 Gulden für einen Türmitzer Juden erhöht. Die Urkunde, mit der dies geschah, hat folgenden Wortlaut: „Ihro Hochgräfl. Exzell. haben allergnädigst verordnet, indeme die hießigen Juden einen geringen Zinß geben, alß sollen dieselben jährl. zu St. Georgy undt Gally jeder umb drey Gulden mehr bezahlen, alß zu jetzigen St. Gally 1708 anfahent". * Die Urheberin, dieser „Steuerreform" war die Mutter des damals noch minderjährigen Grafen Franz Wenzel Nostitz. Die Urkunde zählt auch die Namen der Türmitzer .Schutzjuden auf, wodurch wir erfahren, welche jüdischen Familien damals im Orte wohnten. Es waren: Jakob Kayn, Abraham Kayn, Moises Gabriel, Schey Symon, Moises Kayn und Hierschel Veit. Der Geringste unter ihnen war Moises Gabriel, denn er besaß „nur eine von Brettern zusammen geschlagene Hütten undt mit Anschiebling an das andere Juden Hauß befestigt", was aber nicht hinderlich war, daß er ebenfalls jährlich 12 Gulden Schutzgeld zahlen mußte; von der Erhöhung dieses Zinses wurde er aber verschont. Die Gräfin, eine geborene Kinsky, wiederverehelichte Wratislaw von Mitrowitz, hat wahrscheinlich die in jener Zeit unter den EdeMeuten übliche Ansicht geteilt, daß der Judenschutz am besten als Einkommensquelle auszubeuten sei. Im selben Jahre" noch (1708) hat sie „allergnädigst befohlen, daß die Türmitzer Juden alle Jahr zu Weyhnachten ein Gulden 30 Kreuzer auf Gewürtz 1 Staatl. Landwirtschaftsarchiv in Prag, Abt. Pruhonitz. 258