Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 4 (Juni 1932)
- Date
- 1932-06-01
- Page
- Seite 247 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2416673-2416680-2416685--0588-2417309- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
des Gemeindeetats dort mit eingetragen werden. Diese Gelder durften zu keinem anderen Zwecke benutzt werden46. Diese Kassierer hatten aber nur das Recht zum Sammeln. Sie waren aber nicht befugt, ohne Wissen und Erlaubnis des Judenrichters (Bürgermeisters) etwas von diesem Geld einem der aus Palästina kommenden Boten auszuzahlen47. Ebenso wie die Hamburger sephardische Judengemeinde zeigt auch diese Gemeinde das Bestreben, das aufkommende Sendbotenunwesen und die sich daraus ergebende Dezentralisierung der Palästinakassen zu bekämpfen. Nur die Reisespesen vergüteten die mährischen Juden den Sendboten48. Selbst in dem Falle, daß ein Sendbote die besondere Berücksichtigung der ihn aussendenden Gemeinde erreichte, erhielt er die hierfür ausgesetzten Beträge, wie wir von Hamburg wissen, nicht in bar ausgezahlt; sie wurden wahrscheinlich über die Wiener Zentralstelle (über Venedig oder Konstantinopel) überwiesen. Besondere Palästina-Gelder-Verwalter gab es natürlich bereits vor dem Jahre 1708 in Kremsier. Aus dem Jahre 1625 ist uns der Name eines Kassierers überliefert, der wohl zugleich auch Kreiskassierer war, da an ihn auch die Proßnitzer Juden ihre Palästinagelder ablieferten49. Im Jahre 1701 wurde der herzogl. Branntweinbrenner und Pächter Abraham Aussee zum Gegenschreiber bei der Approbierung des Gemeindeetats und zum Revisor für die Palästinagelder ernannt50. Die Palästina-Gabboim in Kremsier überdauerten alle Veränderungen des Gemeindewesens und beinahe sogar die Assimilationsepoche. Bis zum Jahre 1880 wurde diese aus dem 17. Jahrhundert stammende Bestimmung innegehalten, daß die Gabboim Montag und Donnerstag für Erez Israel in der Synagoge Geld zu sammeln hatten. Bei der Abschaffung dieser Bestimmung setzte die Gemeinde 10 fl. für Palästina in den Etat ein51. Bis zur Entstehung der modernen jüdisch-nationalen Bewegung war diese Kasse und ihre Organisation eine bedeutende finanzielle Stütze der palästinensischen Judenheit. Daneben gab es aber auch wahrscheinlich schon im 17. Jahrhundert in Kremsier und wohl auch in anderen Gemeinden Mährens einen besonderen Hilfsverein „Jerusalem", dessen Tendez bereits im Namen ausgesprochen ist52. Diese Vereine, sind wahrscheinlich ebenso alt, wenn nicht älter als der 1659 in Hamburg gegründete „«Hilfsverein für Jerusalem", so weit 247