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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1932-03-01 · 3 (März 1932) · p. Seite 221

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
2 (1931-1932)
Issue
3 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 221 (sequence 59)
Language
German
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werden. Diese erregt die Unzufriedenheit mit den vorhandenen Zuständen, da sie sich an dem Vorgefundenen nicht genügen lässt, sondern über der gegebenen hinaus einer verjüngten besseren Welt ihren eigenen freien Weg zu bahnen sucht. Die neuentdeckten Aufgaben der ersehnten kommenden Richtung reißen durch ihre Bedeutung und Tiefe den Menschen von den festen Gegebenheiten des äußern Daseins los, an das alles unbewußt Hinlebende gebunden bleibt und stellen es mit bewußten Absichten in das Leben selber, daß dieses sich nach den ihm vorgesetzten Zielen strecke und seine weitere Fortentwicklung dazu führe, die bisher unerfüllt gebliebenen Ideale durch das neue Geschöpf der Zukunft verwirklicht zu sehen. Die echte Führerpersönlichkeit wird aber nicht auftrumpfen, sondern kann für diese nur geräuschlos leise wirken und muß so rein dafür eintreten, daß sie zwar ihie Absichten und Forderungen unzweifelhaft klar hinstellt und mit Zähigkeit dafür eintritt, mit der eigenen Persönlichkeit jedoch wie Mose, der Lehrer und Führer seines Volkes, hinter ihrem Werke zurücktritt. Auch die Propheten nach ihm zogen nicht vor der Volksgemeinde her, sondern folgten ihr nach, doch achteten sie dabei, wie schon Mose (nach der Agada zu II. B. M. 14, 13/14), auf jedes einzelnen Stimme. Aber wenn ihr Kampfruf erscholl, drang er unverzagt bis in die unbegrenzten Weiten der Ewigkeit. Wer umgekehrt verfährt, der läuft Gefahr, den Erfolg seines Schaffens vor der Zeit an seiner Hemmungslosigkeit zerrinnen zu sehen. Denn das Unfreiheitlich** bei diesen Bindungen liegt nicht in ihren Anordnungen, vielmehr lediglich in der Absicht, welche die Seele der leitenden Persönlichkeit dabei erfüllt, und diese hat sich an ihrer Verantwortung auszuweisen. Darum ist nach wie vor der Machtwille der altväterischen Herrschaft am Platze, so oft es gilt, die zerstörenden Praktiken der Gewalt auszuschalten und alle Kräfte auf das einzige Ziel zu vereinigen, das kommende Geschlecht gegen die ihm drohenden Nöte zu stählen. Im Gegensatz zu dem natürlichen Wunsch der Geleiteten, sich hemmungslos frei auszuleben, vermag die Familie jenes Ziel aber nur durch die feste Haltung ihrer Einrichtungen zu erreichen und durch Zusammenfassung aller Kräfte, die guten Willens sind, ihren Weg nach aufwärts mit zu verfolgen. Die weltanschaulichen Störenfriede solcher friedsamen Bestrebungen und die Be- 221

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