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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1932-03-01 · 3 (März 1932) · p. Seite 218

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
2 (1931-1932)
Issue
3 (März 1932)
Date
1932-03-01
Page
Seite 218 (sequence 56)
Language
German
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nicht ausreichend erscheinen, den andern die ihrigen ab und suchen sie zur Minderwertigkeit herabzudrücken, um ihnen gegenüber eine ausreichende Geltung zu erlangen. So nähren sich diese Mittelwertigen vom Verdienst der andern, da sie dem eigenen nicht voll vertrauen. Um sagen zu können, ob solche körperliche Anlagen und seelische Neigungen erblich sind, müßte die Mitwirkung der erblichen und die weitere Ausgestaltung der persönlichen Merkmale durch Umweltfaktoren als Grundlage gesetzt werden. Jene gehen auf den Bestand des an die Kernfäden oder Chromosomen gebundenen Erbgefolges oder auf die Zusammensetzung des Zellenleibes oder Protoplasmas zurück. Hiernach wäre das Verhältnis von Erb- und Umweltwirkungen festzustellen. Doch wird die Vererbung erworbener Eigenschaften im allgemeinen ebenso abgelehnt wie die frühere Miiieulehre und das aus guten Gründen. Denn die in der Keimzelle vorgebildeten Anlagen werden im Erbgang wieder geteilt und finden sich daher zu immer neuen Erbbildern zusammen. — Diese ernsten Schwierigkeiten im Leben unserer Tage führen zu der unabweislichen Forderung, in fest umschlossenen Grenzen nach den der Soziologie entnommenen Gesichtspunkten, die Geblütsbande, Umwelt und ethische Motive betreffend, durch den Nachweis ihrer Wechselbeziehungen und Bestimmtheiten den Rätselfragen und Urgründen des Menschendaseins nachzuspüren. Hiernach wäre über Mittel und Wege nachzusinnen, um außer durch wirtschaftliche auch durch sozialethische Maßnahmen dem weitern Hinabgleiten der Geschlechtsfolge Einhalt zu gebieten. Der einzelne wird der Zusammenhanglosigkeit seines Daseins erst dann entrissen, wenn er sich seine persönlichen Eigenschaften erklären und begründen kann, insoweit Anlagen dafür gesetzmäßig vorgegeben sind. Vor allem kann das eingeboren sichere Gefühl eines jeden, das Glied einer engverbundenen lebendigen Kette zu sein, ihm die Kraft stärken, dem finstern Werk zerstörender Gewalten entgegenzutreten. Ein helles Licht in das eigene Schicksal strahlt ihm aus dem seiner Väter entgegen. Aber seine Forschung muß auch noch auf weitere Grundlagen übergreifen, die biologischen und soziologischen, die historischen oder kulturhistorischen Elemente. Von so weitzielenden Gesichtspunkten aus ist das gegenwärtige Anschauungsan dem nach der. Vergangenheit gezeichneten Erbbilde des einzelnen zu messen, und dazu muß er seine Ahnen 218

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