Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 3 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 217 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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um sich ihren persönlichen, körperlich geistigen Anteil zu erhalten. — Dieser ist jedoch keineswegs feststehend, er beruht großenteils auf der Anlage des seelischen Ahnenerbes. Als ein verborgener Feind aber kann sich dazu die dämonisch zerstörende Macht der Vererbung gesellen, wie sie durch die moderne erbbiologische Wissenschaft im großen bei entarteten Erbstämmen nachgewiesen wurde, deren trostlose körperliche oder seelische Verfassung Fellachenvölker erzeugte. Da aber die Krankheitsbegriffe psychischer Erbleiden biologisch nicht so einfach zu fassen sind, wie körperliche Leiden und Mißbildungen oder die einfachen Merkmale der tierischen oder pflanzlichen Erbbialogie sie der experimentellen Erbforschung darbieten, so vermag auch die junge psychiatrische Erblichkeitsforschung nicht zu berechnen, in welcher Häufigkeit psychische Erbleiden auch nur in der folgenden Generation zu erwarten sind. Nicht die theoretischen Erwartungs- oder Wunsch-, sondern vor allem erfahrungsmäßig begründete Voraussetzungen sind daher immer noch die einzig zuverlässige Grundlage, auf der die praktische Stammes- und ebenso die Einzelbewertung seelenkundlich aufbauen kann. Empirisch steht fest, daß bei den natürlichen Kreuzungen der geringwertige Typus sich stets vordrängt, sodaß bei fortgesetzt planlosen Lebensformen und Mischungen die früher geistig hochwertige Art ihre wertvollsten Erbeigenschaften einbüßen müßte. Die breiten Schichten der Mittdwertigen, die zwischen hochwertigen und den entarteten Bestandteilen der verschiedenen Gruppen stehen, verwickeln das Problem der Gemeinschaftsstruktur am meisten. Ihnen fehlt das unverfälschte Streben nach besseren Leistungen, tieferer Erkenntnis, den höhern Zielen eigener Sittlichkeit und tüchtiger Nachkommenschaft, sodaß sie bei größern Volksbewegungen und katastrophalen Wendungen im gesellschaftlichen Dasein, wie wir sie eben jetzt erleben, am leichtesten den herrschenden Massenpsychosen anheimfallen, die durch die Herrschaft des Terrors vorwiegend das Vordringen der mittelwertig Unzuverlässigen züchten. Bei ihnen ist die seelische Zerspaltung oft aus dem Mißklang ihres Ahnenerbes zu erklären, wenn sie als Rassenmischlinge zwei verschiedene Seelen in ihrer Brust fühlen. Da,sie dem Leben darum mit einer gewissen Unsicherheit und ohne Vertrauen auf die ihnen innewohnend selbständige Kraft gegenüberstehen, saugen sie, weil ihre eigenen Kräfte ihnen 217