Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 3 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 211 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem Untersuchungsprotokoll sticht der zügellose willkürliche Charakter des Grafen noch greller, als aus der von den Juden gegen ihn eingegebenen Klageschrift hervor. Trotz dem mit der Gemeinde abgeschlossenen Vertrage nahm er ihr das kontraktmäßig verpachtete Spital- und Fremdenherberge- Gebäude (= tSHpfi ) weg, gab ihr dafür ein schlechteres und forderte für dieses einen noch größeren Pachtzins. Die Sabbathschnur (= yny ), welche die Gemeinde laut Vertrag an dem Schloßgebäude befestigen dürfte, ließ der Graf mehreremals durchschneiden. Einen Glaubensgenossen, den der Rabbiner wegen religiöser Vorgehen in Bann (= D*1H ) — wahrscheinlich nur in den kleinen Bann — legte, mußte man wegen gewaltsamen Eingreifens des Grafen wieder vom Banne befreien. Der Graf schickte nämlich einen Trabanten mit dem Befehle in die Synagoge, so lange dort zu bleiben, bis man seinen, mit dem B<ann belegten Juden nicht wieder losgesprochen. Den von der Gemeinde gewählten Kantor setzte der Graf ab und setzte in das Vorbeteramt einen anderen, vor der Taufe stehenden Juden ein. Einen Juden, namens Lazarus, rief der Graf einmal zu seinem Schloßfenster, worauf der Kammerdiener, der Trabant, der Kutscher und noch andere Leute des Grafen den armen Juden mit Steinen gefüllten Schneeballen so bewarfen und schließlich so unbarmherzig hin- und herzerrten, daß er 6 Tage nachher starb. Dieser grausamen Szene — welche wahrscheinlich der Graf selbst veranstaltete — sah er mit einem wahren Gaudium zu. Übrigens kann ein Jude nie, selbst auch anläßlich einer Beerdigung nicht, vor dem gräflichen Kastel vorüber gehen, ohne daß er von Seite der gräflichen Familie attakiert würde. Auch daß der Graf den jüdischen Richter Jakob Benjamin, auch Jakob Wolf genannt, mittels einer durch Elias Moses geschickten schweren Drohung gezwungen habe, dem Richteramte zu entsagen, wurde sowohl von Elias Moses, als auch von Jakob Hersehl bestätigt. So wurden alle gegen den gräflichen Grundherrn erhobenen Klagen vor der Untersuchungskomission erwiesen. Das ganze Ergebnis dieser Untersuchung war, daß Maria Theresia fast ein Jahr später anordnete, daß der Graf betreffs des 211