Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 3 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 195 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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nicht ins Freie gelangen, so daß ihn bald die Stadtknechte fanden und in Gewahrsam nahmen. Beim Verhöre bekannte er voll Trotz zu wiederholtenmalen seine Tat, die er, von niemandem veranlaßt, gerne vollbracht habe, weil er „einen solchen unreinen Hund" nicht habe vor sich sehen können, zumal das Kind vor seinen Augen im Spiele mit dern Mädchen ein Kreuz gemacht habe. Schon 10 Tage nach dem Morde langte auf den eingesandten Bericht vom Appellationsgerichte auf dem Prager Schlosse das Urteil über den Mörder ein, das ihm am 21. März in der Fronfeste vorgelesen ward. Als der Stadtschreiber den Schlußsatz: Im Jahre nach Christi, unseres lieben Herrn, Geburt las, spie Noe zum Entsetzen der Anwesenden dreimal aus. Sowohl der Stadtdechant Johannes Böttner von Glückstein wie der Quardian des Franziskanerklosters vor der Stadt P. Johannes Capistranus de Vos bemühten sich des öftern, immer umsonst, den Mörder zur Reue und zum Christentum zu bekehren. Zum Henkermahle begehrte er noch Warmbier mit Honig, was ihm gereicht wurde. Am 22. März, einem Dienstag, um 9 Uhr vormittags begann in Gegenwart etlicher Tausend Menschen aus der Stadt, vom Lande und den benachbarten Städten, darunter vieler vom Adel, die Exekution, indem der Verurteilte auf einem Wagen aus der Haft zunächst in die Wass^rgasse geführt und ihm vor des Hans Igls Hause, wo er die Tat begangen, die rechte Hand abgehauen wurde, wozu er still geschwiegen; aber als der Scharfrichter ihm den blutenden Stumpf mit glühendem Eisen brannte, fing er an laut zu schreien. Hernach ward ihm vor dem Rathause, als dem Sitz der Gerechtigkeit, ein Stück der Zunge zur Strafe für seine Lästerungen weggeschnitten, worauf er, Blut ausspeiencl rief: Ich wiü ein Christ werden, was man, eingedenk seiner früheren Verstocktheit als puren Spott erachtete. Weiters wurden ihm auf dem weiteren Wege zum Hochgericht an zwei Orten der Stadt erst die rechte, dann die linke Brust mit glühenden Zangen abgerissen; dabei und auf der ganzen fernem Fahrt schrie er immer lauter und öfter, er wolle ein frommer Christ sein und hoffe nicht etwa, dadurch * seiner Strafe zu entgehen. Der Quardian, der nicht von seiner Seite gewichen war, betete ihm das christliche Glaubensbekenntnis, das Vater unser und den Englischen Gruß vor, welches er alles in Demut nachsprach; er machte auch mit der linken Hand andächtig das Zeichen des Kreuzes auf Stirn, Mund und Herz und küßte das 195