Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 3 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 194 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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zuwege, was der Haß des Volkes nicht vermocht hatte, eine Tat, durch die er seine Glaubensgenossen aus der Stadt vertrieb und ihnen deren Tore zu dauerndem Aufenthalte für Jahrhunderte verschloß. Diese Tat, welche in der Stadt und weit über ihren Umkreis hinaus gewaltiges Aufsehen erregte, die Landesbehörden beschäftigte und selbst des Kaisers Person in Wien nachhaltig ergriff, geschah in dem schon erwähnten Hause des Jakob Salomon oder Jäckl J. in der Wassergasse, das damals dem Bürger Hans Igl gehörte, in dem Badstübl des Hinterhauses, wo Jäckl mit seiner Familie sein Heim hatte. Am 10. März 1650 war nämlich ein Jude aus Holleschau in Mähren, namens Noe, nach Kaaden gekommen und hatte bei Jakob Salomon Unterkunft gefunden. Als am Morgen des folgenden Tages, da gerade Jäckl nicht daheim weilte und auch sein Weib, Wasser zu holen, fortgegangen war und außer dem Mährer niemand als Jäckls Töchterlein zugegen gewesen, kam aus der Nachbarschaft ein Christenknabe von Jahren mit Namen Matthes, eines armen Mannes, der Knecht im städtischen Marstall war und Tillig Schmidt hieß, einziges Söhnlein, ohne Vorwissen seiner Eltern in Jäckls Behausung, um seiner Gewohnheit nach mit dessen Kindern zu spielen. Diese Gelegenheit nahm der Jude Noe wahr, um, wie der ausführliche Bericht des damaligen Stadtschreibers und Notars Matthias Tyschlaar d. Ä. lautet, den Grimm und Unwillen, so er boshaftigerweise gegen die Christen gefaßt, auszuüben, stieß dem Kinde ein scharfes Brotmesser etlichemale in den Leib und brachte ihm damit 8 Wunden bei, von denen zwei tödlich waren; dann ließ er das Messer bis ans Heft im Leibe stecken und eilte aus dem Hause. Das Kind erlag noch selbigen Tags nach sechsstündigem Leiden und nachdem es in großer Mattigkeit bekannt, daß „der schwarze Jud im rauhen Pelz in.Juden Jäckls Stüblein" es gestochen habe; seinen Verletzungen. Wie diese Mordtat unter der Bürgerschaft ruchbar wurde, geriet sie in eine solche Erbitterung, daß nur das strenge Einschreiten des zufällig anwesenden Saazer Kreishauptmanns Maximilian Wladislaus Elbögner vom untern Schönfeld einen blutigen Überfall auf die jüdischen Mitwohner verhüten konnte. Der Täter aber, als er aus dem Hause entwichen war, lief eine Gasse auf, die andere nieder, dann in die Vorstadt und wieder hinein in die Stadt und konnte 194