Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 3 (März 1932)
- Date
- 1932-03-01
- Page
- Seite 176 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Paul schlugen sie (der Prager Pöbel) auch auf die Juden los, nahmen alles, dessen sie habhaft werden konnten, eine große Menge Silber und Gold, Juwelen, reine und teuere Felle („cuby"); und einen außerordentlichen Schaden hatten die Juden, auch die Herren und andere, die dort (in der Judenstadt) ihre Sachen in Pfand hatten. Auch die Rathäuser (Altst., Neustadt und Kleinseite) waren gut besetzt und die Söldner patrouillierten nachts durch die Straßen. 1484 (633) Zu Pfingsten war ein Landtag bei Kuttenberg („u Hory") in Sachen der Prager. Es war dies eine große Versammlung. Hier übergaben die Prager dem König ihre Bittschrift (u. a.:) „daß den Juden die geraubten Sachen rückerstattet werden mögen von allen, welche ihnen durch ihre Umfragen bezeichnet worden sind; auch die Meßgewänder und alle kirchlichen Sachen." 1488 (646) (Die Jahreszahl berichtigt W. Tomek „Prag" Bd. VIII.-157 auf:) 1478. Als König Vladislav mit seinen Räten und dem Hofstaat zu den Versammlungen am Neustädter Rathaus fuhr, dachte er sehr oft über den Zustand des „Judengartens" oder des Friedhofes nach, wie es tunlich wäre, daß man diesen Friedhof auflassen und anderweitig verwenden könnte, daß man hier die Neustadt erweitern, Häuser bauen und neue Einwohner hier ansiedeln könnte, welche neue Steuern der Gemeinde zuführen würden. Er berief deshalb die Judenältesten vor sich und hier unterhandelte S. M. mit ihnen, bis diese ihre Einwilligung dazu gaben. So wurde dieser Judengarten ein Privilegium S. M. und heißt von Rechtswegen auch weiterhin „Vladislavsche Gasse"; die Gasse sollte von der Bevölkerung in großen Ehren gehalten werden, jedoch zum großen Leidwesen sehen wir sie hier in dem größten Schmutz und Unrat. — Der ehemalige Judengarten hatte ein Privilegium vom böhmischen König Otakar, sonst Pfemysl genannt, und bestand 234 Jahre, bis zur Zeit des Königs Vladislav, so daß diese Gasse seither nicht mehr Judengarten, sondern die Vladislavgasse genannt werden soll. (B.-Dv. 1-273.) 1498 (675) Es wurde eine ungewöhnliche und unchristliche Sache ruchbar, daß einige Leute „na topenicäch" mit irgendwelchen Giftpulvern ihr Unwesen trieben; doch der liebe Gott hat dies offenbart, so daß die Giftmorde aufhörten. (Christenfrauen wurden u. a. auch beschuldigt.) „Die Belskä zidovka" (Jüdin aus Weißwasser) 176