Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 2 (Dezember 1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 147 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die böhmische Familie Lichtenstadt-Lasch. Von Prof. Dr. S. Krauss, Wien. Der kleine Ort Lichtenstadt bei Karlsbad hat es nicht zu der Bedeutung gebracht, um in Meyers Konversationslexikon einen Platz zu finden, aber in der Familiengeschichte der Juden lebt er gar fröhlich weiter, denn viele jüdische Familien stammen von dort und führen darum den Namen Lichtenstadt. Dies kam so: In der stolzen Bäderstadt Karlsbad durften laut altem Privilegium, keine Juden wohnen, und daran änderte auch das Josephinische Patent nichts, und selbst als Kaiser Franz II. im Jahre 1793 die Aufnahme der Juden gebot, verstand es die Stadtbehörde immer, die Juden fern zu halten. Erst 1860 wurde das Eis gebrochen. Bis dahin aiso mußte sich alles, was jüdisch war und in Karlsbad zu tun hatte, im Vororte Lichtenstadt zusammendrängen, der nun natürlicher Weise seine zahlreiche Judenschaft hatte. Nach jüdischer Manier wurde „Lichtenstadt" abgekürzt L-S geschrieben, u. daher der bei Juden häufige Name Lasch. Die jüd. Familien Lichtenstadts verbreiteten sich nach allen Richtungen und so finden wir Angehörige dieser Familie in Prag, in Wien, in Eisenstadt und sonstigen Orten. Einen jüdischen Autor namens Moses Abigdor Lichtenstadt (gestorben 17. Jänner 1870 in Odessa), finden wir sogar weit außerhalb des Landes. Einen anderen Autor, Simeon ben Jucla Lasch, sehen wir in Prag in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts blühen; von ihm dürfte ein großer Teil der jetzt in Prag blühenden Familien Lasch abstammen. Vor 250 Jahren schon gab es hervorragende Personen, die nach Lichtenstadt benannt wurden. Bestens bekannt ist A b r a h a m Lichtenstadt, „Primas von Böhmen", so benannt, weil er bei der Regierung viel vermögend war und oft intervenierte, wenn seine Mitbürger in ihren spärlichen Rechten gekürzt werden sollten. Seine Wurzeln stecken eigentlich im Wiener Boden. Der Sohn des berühmten Gründers der Wiener Talmudklause, Josef ben Zacharias, gehörte zu denen, die nach der Vertreibung aus Wien 1670 sich in Kremsier ansässig machten. Hier, in der neuen Heimat, gründete er, nach dem Vorbild seines Vaters ein Lehrhaus und im Bewußtsein, 147