Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 2 (Dezember 1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 111 (sequence 25)
- Language
- German
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die halbverbrannte und ausgehungerte Stadt des öfteren heimsuchten, mag ihm die Anwesenheit der geldkräftigen Juden willkommen gewesen sein, damit sie zu den von Freund und Feind ■erpreßten Geldern und Lebensmitteln beisteuerten. Es sind auch zwei Fälle überliefert, welche diese Judenhilfe beweisen: Am 10. März 1632 lieh die Judenschaft dem Rate und der Gemeinde „zu ihren hohen bevorstehenden Notdürften" 27 Reichsthaler, die bereits zu Ostern (11. April) zurückgezahlt werden sollten. Dieser Betrag floß zu jenen Geldern, welche der Rat dem Obersten Marazin, damals zu Saaz, präsentieren ließ. Zur Barrückzahlung kam es nicht, denn erst vor Weihnachten des Jahres 1637 ist „obige Schuldpost mit Bewilligung der ganzen Judenschaft wegen ihrer alten vertagten Kontribution kassiert worden". Und am 2. Mai 1639 überließen die Juden von 10 Strich Korn Prager Maß, die sie von der Gemeinde um 50 Gulden gekauft hatten, dieser 9 Strich als „Beihilfe zur schwedischen feindlichen Ranzion" und behielten nur das 10. Strich für sich. Als bald darauf, namentlich nach den Einfällen General Baners die Kaadner so hoffnungslos entmutigt waren, daß viele ihre noch vom Brande her in Schutt liegenden Wohnstätten im Stiche ließen und auswanderten, weshalb die Stadt eine geraume Zeit zur Hälfte unbewohnt stand, und erst nach und nach manche sich wieder aufrafften und das möglichste taten, um ihre Häuser einigermaßen herzustellen, da griffen sie zu der „verzweifelten" Maßregel, daß sie die Juden einluden, als In- und Mietsleute zu ihnen zu ziehen. Nun taten sie also gern, was der Rat, als es der Kaiser geraten, mit Leidenschaft abgelehnt hatte. Schon früher, im Jahre 1619, nahm sogar die katholische Rosenkranzbruderschaft ihre Geldhilfe in Anspruch. Der lutherische Rat hatte die ganze Schuldenlast der Gemeinde auf diese Bruderschaft gewälzt, deren Landgüter besetzt und die sofortige Zahlung von 1400 Schock Groschen gefordert. Diese Summe mußten sich die Vorsteher nicht allein bei guten Freunden erborgen, sondern 400 Schock gegen jüdischen Zins bei den Juden aufnehmen. Von den damals in Kaaden dauernd weilenden Juden kennen wir vor allen den erwähnten Feistl J., welcher vor seiner Übersiedlung nach Kaaden in Eidlitz ansässig war und mit vollem Namen Veit Bloch hieß. Er hatte schon von Eidlitz aus 1613 mit Estra Vitzthum von Neuenschönburg und 1617 mit einem Kaadner Patri- 111