Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 2 (Dezember 1931)
- Date
- 1931-12-01
- Page
- Seite 93 (sequence 7)
- Language
- German
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Kammer an König Ferdinand Bericht davon. Am 10. Juni 1533 befahl König Ferdinand die Angelegenheit bis zu seiner Ankunft zu verschieben, indes sol'lte die Kammer Sorge tragen, daß „der Jude — Zalman Horowitz — nicht flüchtig sein soll, und sein Vermögen wie auch seine Briefe nicht verschiebe".1) Dieser Streit artete zuletzt in Schlägereien aus. Seligmann H., der Bruder Zalmans, schlug einmal den Schulrektor R. Josua Altschul, worauf König Ferdinand am 23. April 1534 befahl, den Seligmann zu bestrafen.2) Als der Streit sich immer mehr ausbreitete und zum offenen Kampfe wurde, wandten sich einsichtsvolle Männer, die den Frieden wollten, an die größten Rabbiner Deutschlands u. Polens, sie mögen in dieser Sache intervenieren. Die Rabbiner aus Polen u. Deutschland schrieben an die Gemeindeältesten in Prag, daß sie die Streitsache unparteiischen Männern vorlegen sollten, die dann ihr Urteil treffen würden. Allein dieser Rat wurde nicht berücksichtigt und der Kampf ging weiter. Da beriefen die Gemeindevorsteher den einflußreichen Josef Joselmann aus Roßheim, der am Hofe des deutschen Kaisers Einfluß hatte, nach Prag, um vielleicht durch seinen Einfluß auch beim König Friedrich zu erwirken, daß er, das Privilegium der Familie Horowitz, welches sie noch vom König Ludwig hatten, außer Kraft setze. Im Jahre 1534 kam Joselmann nach Prag und verfaßte gemeinsam mit dem Ober-Rabbiner Abraham ben Abigdor neue Statuten, die 23 Satzungen [Tekanoth] enthielten.') Hierdurch glaubte er dem Zwist ein Ende zu bereiten. Allein die Familie Horowitz war mit dieser neuen Regelung nicht zufrieden. R. Schabattai Scheftel Horowitz — Bruder des Zalman Horowitz und Großvater des berühmten ,,Scheloh" — verkündete der Behörde, daß ein Mann aus fremdem Lande ohne Erlaubnis der Regierung Gemeindestatuten in Prag verfasse. Am 2. November desselben Jahres berichtete die Kammer dem König Ferdinand, daß die Prager Juden einen Juden aus Deutschland berufen hätten, der neue Satzungen und Anordnungen in der jüdischen Gemeinde eingeführt habe.4) Durch dieses Vorgehen schwebte damals Joselmann in großer Gefahr und mußte *) a. a. 0. S. 143, 144. 2) a. a. O. S. 149. 3) Memoiren des Josef Joselmann, abgedruckt in R. C. J. XVI. Nr. 20, 25. Wachstein a. a. 0. 148. 93