Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
- Volume
- 2 (1931-1932)
- Issue
- 1 (September 1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 83 (sequence 85)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Gestalten der Antike, die die Grundlagen der europäischen Kultuir mitgescihaffen haben, werden mit einem Male in einer neuen, heutigen Form lebendig und in die blassen, verstaubten Gestalten der Bibel kommt so unerwartetes und neues Licht. Die Gestalten des Mittelalters und der Neuzeit: Finanziers, Politiker, Literaten, Forscher, Mystiker, Ekstatiker — das alles wird in einer sprühenden Lebendigkeit geschildert und bringt uns jenem seltsamsten aller Völker näher. So leben von neuem auf die Gestalten des Mose, der Propheten, der Könige, Joseis von Rosheim, des Leon da Modena, des Baalschem, der Rothschilds, Mendelssohns, Gabriel Rießetrs und Rathenau. Die Profile dieser Juden laus SV2 Jahrtausenden haften in uns und bleiben unvergessen. Die Gedanken, die sie ausgesprochen haben — Gedanken von weittragender Bedeutung oder von skurriler Einfältigkeit — werden eingegliedert und eingeordnet in die Farbe ihrer Zeit und in die Kultur des Landes, dem sie entwachsen sind. So entsteht hier erstmalig die Geschichte der Juden vom Altertum bis in die jüngsten Tage, gesehen im Zusammenhang, in ihrer Abhängigkeit und in ihrer Bedeutung für die Epoche, in der sie spielt. Es ist der beste, lebendigste und zuverlässigste Führer durch die jüdische Geschichte. Myron Brinig, Die Singermianns. Roman. Aus dem Amerikanischen von Lisa H. Löns. Ganzleinen RM.. 6.50. Adolf Sponholtiz Verllag, Hannover. Eine Einwanderergeschichte. Moses und Rebekka Singermann kommen aus Rumänien nach Amerika. Hunger nach dem Leben, nach besseren Lebensmöglichkeiten hat sie aus dem weingesegneten Donauland vertrieben. Zwar bietet die neue Welt ihnen Brot und Wohnung, aber es ist doch jahrelange Arbeit nötig, bis die' Singermianns in der neuen Heimat Fuß fassen. Hier setzt das Buch von Brinig ein. Eine fremde Kultur beginnt den Kampf um die Seelen der Einwanderer. Der erste Einbruch erfolgt durch die Verheiratung des ältesten Sohnes mit einem Mädchen, das den orthodoxen Glauben längst mit dem einer Gesundbetereisekte vertauscht hat. Ein anderer Sohn macht bald die Erfahrung, daß man in Amerika nicht nur als Verkäufer seinen Mann stellen, sondern daneben auch ein guter Baseballspieler sein muß, wenn man vorwärtskommen will. Ein dritter Sohn fällt in die Händie einer Dirne, die ihn der Familie entfremdet. Die größte Wandlung erfährt wohl der jüngste Sohn, der Benjamin der Familie, der schnell über seine Brüder und Schwestern hinauswächst und die Verbindung zwischen einer alten und einer neuen Kultur verkörpert. Den Hintergrund des Buches bildet das ganze pulsierende Leben des amerikanischen Nordwestens, aus dessen Fülle der Verfasser eine Reihe plastischer Gestalten zeichnet. Unter den zahlreichen Büchern, die in 'den letzten Jahren tos Amerika zu uns gekommen sind, ist der Roman von Brinig eine eigenartige Erscheinung, weil er das Leben einer Einwandererfamilie nicht nach äußeren Einwirkungen, sondern aus rein menschlichen Empfindungen heraus in folgerichtiger Entwicklung gestaltet. Das gibt dem Buche den literarischen Wert, der es vor vielen amerikanischen Romanen auszeichnet. 83