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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1931-09-01 · 1 (September 1931) · p. Seite 82

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
2 (1931-1932)
Issue
1 (September 1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 82 (sequence 84)
Language
German
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Bau einer großen Fabrik, dem Symbol des neu industrialisierten Rußland, wobei alle idealen und materiellen Treibkräfte hart aneinandernstoßen, zur Geltung. Nicht die äußeren Ereignisse, sondern die seelischen und geistigen Auswirkungen geben dem ungewöhnlichen Roman sein charakteristisches Gepräge. Emil Ludwig, Goethe, Geschichte eines Menschen. 2 Bde. Ernst Rowohlt Verlag Berlin. Nicht der apollinische oder titoriische Goethe, nicht der Olympier, sondern Goethe der Kämpfer, der mit seiner Seele ringt, ist Gegenstand und1 Problem des. Buches. Ganz abweichend von der bisherigen Art, Goethes Leben schnüffelnd, in eine landläufige Biographie zu pressen, unternimmt Ludwig den großen Versuch, den sechzigjährigen Kaimpf darzustellen, den „der Genius mit einer höchst gefährdeten Seele führt, um nach gewaltigen Opfern am Ende zu siegen". Ausgehend von der These, daß Goethes Leben, vielleicht wertvoller war 'als Goethes Schaffen, daß seine Werke bloß Mittel zum Zwecke waren, sucht der Biograph aus den Stimmungen deir einzelnen Perioden vor allem das Bild der Seele abzuleiten und ganz im Sinne Plutarchs, wenn auch mit modernen Mitteln der Psychoanalyse, den Menschen Goethe von innen auf zubauen. So ist Ludwigs Goethebucih, ähnlich wie sein „Bismarck,, und „Napoleon1*, ein Markstein in der biographischen Literatur, der künftigen Generation den Weg neuer Gestaltung weisend. J. L. Emil Ludwig, Geschenke des Lebens. Berlin Ernst Rowohlt Verlag. Das bunte Kaleidoskop des Lebens, gesehen und erfüllt durch das Temperament eines Großen vom Range eines Emil Ludwig, dessen biographische Werke heute zum Bestand der modernen Charakterpsychologie gehören, muß für den jüdischen Leser doppelt reizvoll sein. Emil Ludwig, eigentlich Emanuel Cohn, dessen Mutter der reichen schlesischen Familie Friedländer entstammte, entwirft schon in den ersten Kapiteln ein anziehendes Bild seiner Voireltern und ist.voll- Stolz, auf seine jüdische Abkunft. „Wenn ich in (alldeutschen Blättern jetzt lese, ich' käme geradewegs aus dem Ghetto, lasse ich gern meinen Blick auf den Ölbildern meiner Vorfahren verweilen, und denke mir mein Teil; wobei noch zu erwähnen ist, daß die Leute im Ghetto an Geist und Herz, gebildeter waren als auf den Burgen, wo die Vorfahren mancher Gotheischen Kavaliere Raubritter spielten." Emil Ludwig, dessen Stil die reife Fülle und heitere Klarheit eines Goethe erreicht, scheut in seinem Buche auch vor den falschen Götzen der Zeit nicht zurück und betrachtet alles mit der Gelassenheit des Mannes, der die Mitte des Lebens erklommen, getrosten Blickeis die Vergangenheit überblickt und die Zukunft erwartet. Seine „Geschenke des Lebens" sind zugleich auch Geschenke für den Leser. J. L. Jüdische Geschichte. Von Joachim Prinz. (Verlag für Kulturpolitik, Berlin. 1930. Mit 15 Illustrationen. In Ganzleinwand 10.— RM.) Zum erstenmal wird hier der Versuch gemacht, die Geschichte eines Volkes, die einen Zeitraum von mehr als SV2 Jahrtausenden einnimmt und1 die geradezu klassisch geworden ist, in einem einzigen Bande zu vereinigen. 82

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