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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1931-09-01 · 1 (September 1931) · p. Seite 80

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
2 (1931-1932)
Issue
1 (September 1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 80 (sequence 82)
Language
German
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zung, während ihr die damals populären Romane nicht fremd blieben. Die beiden fanden Wohlgefallen an einander, das bald nach mehreren Besuchen zur Verlobung führte. Die Trauung fand in Lissitz nach hergebrachter Sitte unter freiem Himmel statt, wobei der Bräutigam in weißem Linnenkittel und weißer Kopfhaube erschien, die ihm die Braut als Morgengabe mitzubringen verpflichtet war. Diese Gewandung findet im Leben eines Juden noch mannigfache Verwendung: er trägt das Kleid am heftigen Versöhnungsfage, beim Ostermahle und in demselben wird er zur Erde bestattet. Als das junge Ehepaar am Stadttor in Chrast anlangte, fand es dasselbe* mit einem blumengeschmückten Seile gesperrt. Die Braut wurde, als eine Fremde, die nunmehr eine Chrasterin werden wollte, feierlich vom Bürgermeister angesprochen und mußte sich durch das Versprechen, die Bürgerinnen der Stadt „zu einem Kaffee mit Kolatschen" einzuladen, loskaufen. Dann wurde die Schnur entfernt und vom Freudenjubel der mittlerweile angesammelten Volksmenge begleitet, konnte das Ehepaar weiterfahren und in die gemietete Wohnung eines Hauses auf dem sogenannten Ringe gegangen. Zwei Jahre später nach diesem feierlichen Empfange wurde ich am 3. Feber 1810, einem Samstag, in der Nacht geboren und am achten Tage in den durch Blut geweihten Bund des Judentums aufgenommen, was unter frommen Segenssprüchen geschah, worauf die vielen herbeigekommenen Gäste reichlich bewirtet wurden. Bei diesem Anlasse erhält das Kind, wenn es ein Knabe ist, den Namen des Großvaters, wenn der schon gestorben, oder sonst eines nahen Verwandten. So sollte ich nun den hebräischen Namen Leser und den deutschen Lazar erhalten. Dagegen erhobt eine Schwester des Vaters, die mittlerweile verwitwet aus Galizien ins mütterliche Haus zurückgekehrt war, Einsprache, indem sie den Vornamen Ludwig -in Vorschlag brachte, der bei Beibehaltung des hebräischen Namens allgemeine Zustimmung fand. Unter diesen Namen wurde denn auch meine Geburt in der pfarrämtlichen Matrik von Chrast eingetragen, wie dies , da damals die Judengemeinden noch keine Matrikeln führten, gesetzlich verordnet war. 80

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