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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei · 1931-09-01 · 1 (September 1931) · p. Seite 79

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in der Tschechoslowakei
Volume
2 (1931-1932)
Issue
1 (September 1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 79 (sequence 81)
Language
German
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„Ich hab' es ja selbst gewollt, mein Glück." In einer Nacht hörte man im Hause einen furchtbaren Schrei. Der wilde entsetzliche Mann hatte von der das erste Stockwerk umgebenden Pawlatsche seine Gattin herabgeworfen, ihr Kopf war auf die im kleinen Hofräume befindliche scharfkantige Planke gefallen. Eine Gehirnerschütterung war die Folge des Sturzes, sie erwachte nicht mehr zum Bewußtsein und war am dritten Tage tot. Man hat nie erfahren, was der mörderischen Tat vorangegangen war. Schenda fand man eines Morgens in seiner Stube tot. Er hatte sich mit seiner Offiziersschärpe erwürgt. Meine Eltern. Eine unablässige, von ihrem Sohne Leopold geteilte Sorge meiner Großmutter war es, ihre vier Töchter zu verheiraten, was um so schwerer war, als das scheue Bedenken, sich mit der durch die beiden Taufen gleichsam gebrandmaricten Familien zu verbinden, zu überwinden war. Die älteste Tochter folgte einem wissenschaftlich und musikalisch hochgebildeten Manne, namens Schmelkes, .nach Prag; eine zweite ihrem Gatten nach Brody. Die dritte und vierte Tochter wurden von zwei Brüdern Josef und Samuel Pollak, Kaufleuten, nach dem unweit der Kreisstadt Beraun gelegenen böhmischen Dorfe Lodenitz heimgeführt. Einzelne Kinder dieser Familie, wissenschaftlichen und künstlerischen Berufen sich widmend, und mannigfachen, teils ernsten, teils abenteuerlichen Schicksalen preisgegeben, blieben nicht ohne Einfluß auf mein eigenes Leben. Erst als die Töchter versorgt waren, konnte der Sohn Leopold daran denken, seinen eigenen Herd zu gründen und eine Lebensgefährtin zu wählen. Seine Aufmerksamkeit wurde auf die Tochter der frommen Familie Hermann, die in Lissitz, nur einige Meilen von Brünn entfernt, ansässig war, gelenkt. Leopold Frankl war eine stattliche Erscheinung, gebildet und von weltmännischen Formen, die er sich während eines längeren Aufenthaltes bei seinem Oheim Israel von Hönigs'berg in Wien angeeignet hatte. So konnte es leicht geschehen, daß er der ländlich erzogenen Tochter des Hauses Theresen wohlgefiel. Auch sie war schön, streng religiös erzogen kannte sie die Bibel, die Propheten, die Psalmen, die Sprüche der Weisen in hochdeutscher Überset- 79

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